VR gegen Logo- & Akrophobie

Angst virtuell verringern

Einer von fünf Menschen leidet unter Sprechangst, einer von vier unter Höhenangst. Samsung hat dafür VR-Anwendungen entwickelt, die erstaunliche Erfolgsquoten verspricht.

Allein der Gedanke an Höhe oder an Sprechen vor Publikum reicht aus, um Betroffene in Panik zu versetzen und komplett zu blockieren. Sich in einem derartigen emotionalen Ausnahmezustand auf eine Aussichtsplattform oder Rednerbühne stellen zu müssen – der blanke Horror! Samsungs App #BeFearless eröffnet die Möglichkeit, sich daheim in seinen vier Wänden in seinem eigenen Tempo an eine kritische Situation heranzutasten.

samsung

Aleksandra, die 26-jährige Probandin aus Russland arbeitet mit der VR-Anwendung in ihrem Wohnzimmer an ihrer Höhenangst

Getreu der Brand Vision entwickelt Samsung seine innovative Technologie entlang der Leben der Menschen. Mit der Jahreskampagne 2015 namens „Launching People“ zielt sie vor allem auf „Träume und Potentiale“ ab, die mit der VR-Technologie möglich gemacht werden sollen. Dafür wählte Samsung unter hunderten Bewerbern sechs aus, die von Experten entwickelte App zu testen.

Beim virtuellen Training in 360°-Videos können Logophobiker sich mittels der Samsung Gear VR-Brille in Interview- und Vortragssituationen begeben, ohne Blackouts und Negativreaktionen fürchten zu müssen. Der erste Level erleichtert den Einstieg mit einem zwanglosen Gespräch. Ziel ist der Vortrag vor großer Gruppe. Die pflegeleichte simulierte Zuhörerschaft hilft Nervosität abzubauen, wie Kandidatin Franzi es im Video beschreibt: „Das Trainieren hat mir sehr weitergeholfen. Es ist so viel Stress, der wegfällt (…) Plötzlich kriegt man eine positive Welle zurück, die einen so richtig mitreißt.“

Höhenangstgeplagte können sich in mehreren Stufen immer weiter nach oben wagen, ohne davon blockiert zu werden. Sie lernen, in die simulierte Tiefe zu schauen und dabei ihre Gefühle unter Kontrolle zu bringen. Proband Fynn, der sich vor dem Programm im täglichen Leben sehr eingeschränkt fühlte, bringt es auf den Punkt: „Es war wirklich ein Eintritt in eine andere Welt. Ich habe viel zu Hause trainiert… mit jedem Mal gibt es mir mehr Mut. Ich merke, dass ich mir immer mehr zutraue.“

samsung1

Und so kann es aussehen: Die VR-Brille misst den Herzschlag sowie die Zeitspanne, die sich der Proband getraut hat, nach unten zu sehen

Laut Studie, so der Hersteller, kann jede Angst mit regelmäßigem Training überwunden werden. 87.5% der Teilnehmer aus der Gruppe der Akrophobiker sollen ihre Ängste auf diese Weise deutlich reduziert haben, bei den Logophobikern waren es 88.1%. Der Videobeweis zeigt Testpersonen die die Konfrontation mit der schwierigen Situation strahlend und selbstbewusst meistern.

Samsung und UBX, Altruismus mit Einschränkungen

Mit dieser App will Samsung, nach eigener Aussage, Menschen helfen – und darüber hinaus das Potential von VR-Brillen jenseits des Gamingbereiches aufzeigen. Das virtuelle Training ist mittlerweile jedermann zugänglich, der eine Samsung Gear VR-Brille und ein Samsung Smartphone besitzt. Allerdings muss man sich auch tatsächlich beides zulegen, dafür wurde gesorgt. Erst nach der Kombination der beiden Geräte startet die kostenfreie App. Bei aller Hilfsbereitschaft bleiben die Verkaufszahlen im Hinterkopf.

Und was steht als nächstes auf der virtuellen Agenda?

Experiment geglückt, App effektiv, Tester im Besitz von Samsung-Equipment überzeugt. Vielleicht wird das Repertoire nach dem Erfolg ja erweitert, damit auch etwas exotischere Phobien wie Anatidaephobie (die Angst, von einer Ente beobachtet zu werden) oder Arachibutyrophobie (die Angst, dass Erdnussbutter am Gaumen kleben bleibt) angegangen werden können. Tiefenentspannt bei Erdnussbutter und Enten. Es bleibt spannend, was neben Gaming und Angstbekämpfungstraining noch alles in Virtual Reality steckt.

 

Schlagworte:
  • Einer von fünf Menschen leidet unter Sprechangst, einer von vier unter Höhenangst.
  • 2015 startete Samsung eine Markenkampagne, in der einige Auserwählte die App „BeFearless“ testen durften: mit VR-Brille und Smartphone erhielten sie ein virtuelles Training zur Überwindung ihrer Ängste.
  • Seit 2016 ist dieses Programm der Öffentlichkeit zugänglich, laut Hersteller ist die Erfolgsquote sehr hoch. Samsung will Menschen helfen und das Potenzial von VR-Brillen aufzeigen, aber daneben auch die zugehörigen Produkte verkaufen, ohne die die App nicht funktioniert.