Man muss sie nur gießen

Die Pflanzenlampe

Seit vier Jahren steigt die Zahl der Einschreibung an der technischen Universität von Lima, UTEC. Dahinter stecken useful brand experiences, bei denen sie Grundversorgungsprobleme ihrer Landsleute kostenfrei löst. Ihr jüngster Coup im peruanischen Regenwald ist spektakulär.

Nuevo Saposoa ist ein abgelegenes Dorf im peruanischen Regenwald. Es liegt so abgelegen, dass man nach der Landung am Flughafen von Pucallpa noch zwei Tage einen Fluss hinunter schippern muss bis man – idealerweise von den Flusspiraten verschont – in Nuevo Saposoa landet. Wenn hier mal der Strom ausfällt, wie im März 2015 nach einer massiven Flut, bleibt nur noch die Kerosinlampe. Mütter füttern ihre Kinder im Licht des qualmenden Kerosin, Schüler quälen ihre Augen bei den Hausaufgaben.

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Nicht besonders gesund, aber nichts Neues für Nuevo Saposoa. 42% der ländlichen Bevölkerung im peruanischen Regenwald hat überhaupt keine Elektrizität. „Ohne Elektrizität leidet das Sozial-, Bildungs- oder Familienleben der Menschen enorm“, sagt Jessica Ruas Quartara. Die Marketing Direktorin der UTEC hat bei der UBX-Konferenz ein Werbeplakat vorgestellt, das täglich 96 Liter Trinkwasser kondensiert. Das neue Projekt mutet noch spektakulärer an.

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Das Problem als Teil der Lösung

Diesmal arbeitet ein neunköpfiges Forscherteam monatelang an der Frage: Wie kann man Nuevo Saposoa nachhaltig mit Licht versorgen? So schwierige Bedingungen der Regenwald schafft, ist er auch Teil der Lösung. Im August 2015 besteigen Prof. Elmer Ramirez und acht Studenten der UTEC ein Flussboot nach Nuevo Saposoa. Mit dabei haben sie zehn Holzkästen, aus denen jeweils eine Pflanze und eine LED-Lampe ragt.

Nimm das Vorhandene

„Wir können auf vielerlei Arten Energie aus der Erde gewinnen“, sagt Prof. Ramirez. Basierend auf Forschungsprinzipien von Wissenschaftlern aus aller Welt, gelingt es ihnen eine Reihe von Prototypen zu entwickeln, die durch saubere Energie leuchten. „Wir haben uns gefragt, was wir an lokal vorhandenen Ressourcen nutzen können und so sind wir zu einer Lösung gekommen: Sie lautet Pflanzen und Erde.“

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Geht das wirklich?

Die Lösung fußt auf der Galvanischen Zelle. Ein Prinzip, das viele Schüler aus dem Physik-Unterricht besser unter „Strom mit Kartoffeln fließen lassen“ kennen. Dabei bilden der Kartoffelsaft (Elektrolyt), Nägel und Münzen (Elektroden) eine Zelle, wo chemische in elektrische Energie umgewandelt wird. Eine moderne 1.5V Batterie ist nichts anderes als eine galvanische Zelle. Die Säure der Pflanze wirkt dabei wie ein „Treibstoff“, kann als Strom in herkömmlichen Batterien gespeichert werden und eben die LED Lampe der UTEC –Prototypen für etwa zwei Stunden speisen. Man muss sie nur gießen.

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Zwei Stunden mehr Leben

Als die Forscher in Nuevo Saposoa ankommen, zeigen sich die Bewohner skeptisch: „Pflanzen sollen uns Licht geben?“, fragt Dorfbewohner Tomás. Eine Woche gibt sich das Team der UTEC Zeit um die Bewohner einzuschulen und ihnen zu zeigen, wie sich potenzielle Probleme lösen lassen. Dann teilen sie zehn Prototypen der Pflanzenlampen auf die Familien auf und reisen ab. Sie sehen Schüler bei ihren Hausaufgaben, nähende Frauen, kartenspielende Männer, kurz beglückte Dorfbewohner, die nun auch nach Sonnenuntergang ihre Zeit nutzen können, ohne den Kerosinrauch einatmen zu müssen.

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„Wir sind uns sicher, dass die Lampen das Leben der Dorfbewohner deutlich verbessert haben“, sagt Jessica Ruas, „mit den Lampen können sie wieder länger Handel treiben und Produkte erstellen und verkaufen.“ Der nächste Schritt der Kampagne ist Geld zu sammeln um die nächsten 100 Prototypen produzieren zu können.

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Was die Kampagne sonst gebracht hat

„UTEC versucht nicht die Welt zu retten“, sagt Humberto Polar, CEO der betreuenden Werbeagentur FCB Mayo, „sondern Studenten für sich zu gewinnen.“ Seit Gründung der privaten Universität vor vier Jahren stieg die Zahl der Inskripienten deutlich. Im Jahr nach dem Trinkplakat um 28%. Dazu konnte UTEC Partnerschaften mit ein paar der wichtigsten Universitäten der USA schließen. Die Techniker der UTEC können nun Austauschsemester auf dem M.I.T. oder Harvard absolvieren. Ohne die UBX-Projekte der Universität wäre das nicht möglich.

 

2 Antworten
  1. folien
    folien says:

    Ich finde es wirklich klasse, dass Sie sich all diese Mühe machen und die Informationen mit uns teilen. Danke dafür.
    Gruß Karin

    • Thomas Bischof
      Thomas Bischof says:

      Freut uns sehr, liebe Karin. Danke, für Ihr Feedback. Vor uns steht ein spannendes Jahr voller innovativer Lösungen, wie man mit Werbeetats nützliches schaffen kann. Inzwischen schöne Weihnachten!

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