Das Mützchen zwischendurch

Nächste Ausfahrt: Siesta

Wie lässt man potenzielle Kunden in einem möglichst natürlichen Bedarfsfall die Vorteile seines Produkts erfahren? IKEA hatte da eine Idee.

Eine mächtige Autolawine wälzt sich im Schritttempo über den glimmernden Asphalt der A6 zwischen Paris und Lyon. Der Beginn der französischen Schulferien löst eine Völkerwanderung aus, die sich per Satellit auch vom Mond aus beobachten ließe. Der Norden Frankreichs rollt an die Küste in den Süden. Väter fluchen, Mütter versuchen sie davon abzuhalten, Kinder müssen alle 30 Minuten aufs WC.

Monate davor stehen Stéphanie Jourdan, Kommunikations-Manager bei IKEA Frankreich   und ihr Team vor einer Herausforderung. Die aktuelle Betten und Matratzenkollektion ihres Arbeitgebers will auf eine ungewöhnliche Art Kunden näher gebracht werden. Sie fragt sich: „Wie könnten wir unseren Kunden mit unseren Betten nützen?“ Sie darauf schlafen zu lassen, liegt nahe. Das kostet aber viele Testmatratzen. Die Antwort rollt nicht weit von IKEA Djion, an der meistbefahrendsten Autobahn Europas vorbei.

Einer der Hauptgründe für tödliche Unfälle auf Autobahnen ist der Sekundenschlaf am Steuer. Laut der französischen Polizei passieren deswegen 33% der tödlichen Unfälle. Experten raten dringend, sofort einen Rastplatz anzusteuern um sich zu erholen. Gar nicht so leicht, sitzen etwa Kinder am Rücksitz. Doch genau dieses Problem verhalf Stéphanie Jourdan zur Lösung.

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Halten Sie Ausschau nach diesem Schild

Mit einem temporären Hotel auf der Raststätte Beaune-Tailly hilft IKEA 2011, ermüdeten Autofahrern sich zu erholen. In 28 Zimmern auf zwei Stöcken mit je einem Bett, Teppich, Nachttisch und Spiegel. Reisende können sich darin kostenlos für 20 Minuten erholen. Das ist die wissenschaftlich erwiesene sinnvollste Siesta-Zeit. Währenddessen erholen sich Herz und Hirn optimal, ohne in zu tiefe Schlafphasen zu sinken. Kinder werden von 1o:00 bis 20:00 von ausgebildeten Erziehern betreut.

„Die Gäste, die bei uns einchecken, haben genug von der Autobahn. Sie sind froh, wenn sie sich hier erholen können“, sagt Stéphanie Jourdan. Nach der Siesta verbinden sie ein gutes Gefühl mit dem Bett. Das eingerahmte Preisschild bleibt nicht unbemerkt. Im hoteleigenen Betten-Showroom können sie noch andere Modelle testen.

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Was bleibt?

Auch wenn die erwartete Zahl an Gästen unter 10.000 blieb, kann sich IKEA über eine gelungene Aktion freuen. „Das Feedback der Gäste war sehr gut. Sie sehen es als wirkliche Hilfestellung. Die Menschen haben aber auch Zeit gebraucht, sich an die Idee des temporären Hotels zu gewöhnen“, sagt Stéphanie Jourdan.  Am Ende der Aktion wurden alle verwendeten Möbeln an die Obdachlosen-Organisation Les Toits du Coeur (http://www.restosducoeur.org/content/logement )in Djion gespendet. Das beinhaltete neben 28 Betten, über 5000 Bettwäsche–Sets.

 

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  • Einer der Hauptgründe für tödliche Unfälle auf Autobahnen ist der Sekundenschlaf am Steuer.
  • Mit einem temporären Hotel auf an der meistbefahrendsten Autobahn Europas hilft IKEA 2011 ermüdeten Autofahrern sich zu erholen und gleichzeitig potenziellen Kunden ihre Produkte erfahren zu lassen.
  • Innerhalb von drei Wochen nutzen zahlreiche Autofahrer das Angebot. Am Ende werden die verwendeten Möbel einer Hilfsorganisation gespendet.