Twitter Fact Checker

There´s important context missing

Was sich die Washington Post einfallen ließ, um die alternativen Fakten des amerikanischen Präsidenten auf deren Wahrheitsgehalt zu prüfen.

Jeden Tag werden mehr als 500 Millionen Tweets abgesetzt. Neben der ungeheuren Menge an Tweets erschwert es ihre Geschwindigkeit sie einzuordnen. Tweets verbreiten sich heute deutlich schneller als TV- oder Radio-Nachrichten. Ein gern zitiertes Beispiel ist noch immer die Notlandung eines Passagierflugzeugs auf dem Hudson River. Aber auch bei Amokläufen, Wahlen oder Großereignissen wie der FIFA WM oder den Oscars beweist der Kurznachrichtendienst seinen Mehrwert als Echtzeitmedium. Um es in weniger als 140 Zeichen zu sagen: Twitter kann in Hinblick auf die Menge der Tweets und deren Geschwindigkeit User überfordern.

Wenig überfordert scheint hingegen Donald Trump, einer der derzeit prominentesten Twitter-User. Seit dem Sieg bei den Präsidentschaftswahlen mit nun zwei Accounts aktiv (@realdonaldtrump und @potus), brennt Trump zuweilen regelrechte Meinungs-Feuerwerke ab. Wie in den letzen Wochen vermehrt verdeutlicht, nimmt es der Staatschef dabei nicht so genau, wenn es um Fakten und deren Wahrheitsgehalt geht. Das kann zuweilen ganz unterhaltsame Folgen haben, und andere Twitteruser zu kreativen Höchstleistungen motivieren. Grundsätzlich ist es aber gefährlich, wenn der Inhaber eines so mächtigsten Amtes es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt.

Wie sollen Twitter-Nutzer solche Kurznachrichten einordnen?

Die Washington Post war so nett ein Browser-AddOn für dieses Problem zu entwickeln, das für Firefox und Chrome verfügbar ist. „Real Donald Context“ heißt dieses kleine Programm: Unter den offiziellen und privaten Trump-Tweets werden die Ergebnisse des redaktionellen Fact-Checks eingeblendet. Die Twitter-User müssen weder den Kanal verlassen noch eigene Recherchen anstellen, um die präsidialen Tweets einordnen zu können. Der Washington Post geht es hierbei allerdings nicht darum, Trump vorzuführen. Denn wenn er nachweisbar korrekte Fakten twittert, wird dies ebenfalls angezeigt.

Die Washington Post, die ihre Mission als „Breaking news und political analysis“ beschreibt, trifft damit sehr genau die Bedürfnisse von Twitter-Nutzern als auch den eigenen Markenkern. Darüber hinaus bietet sie diesen Service auch Nutzern an, die weder ein Print-Abo haben noch der Washington Post auf Twitter folgen: diese Useful Brand Experience steht allen Twitter-Nutzern offen.

Zahlen zu Downloads der AddOns sind zur Zeit nicht verfügbar. Daher kann über den Erfolg, wenn man ihn über Reichweiten und Nutzerzahlen definieren möchte, keine Aussage getroffen werden. Als kreative Lösung für ein bestehendes Userproblem ist Real Donald Context unabhängig davon eine äußerst gelungene Anwendung.

PS: Und dann war da noch BILD

BILD.de wählt beim Thema Fact Checking einen ganz anderen Weg. Denn bei Bild.de gibt es ab sofort einen Ombudsmann: Ernst Elitz, ehemaliger Intendant des „Deutschlandradios“. Auf Bild.de heißt es dazu: „Sie können ihn ( den Ombudsmann, Anm. d. Verfassers) kontaktieren, wenn Sie Ihre politische Ansicht oder eine Debatte falsch oder verzerrt dargestellt finden. Aber auch, wenn Sie Zweifel an Fakten haben oder Fragen zu unserer Quellenlage. Er darf in Ihrem Auftrag bei uns in der Chefredaktion recherchieren, ob wir falsch gelegen haben. Wir werden keinen Einfluss auf sein Urteil nehmen und es veröffentlichen, wann immer er es von uns verlangt.“ , so der Vorsitzende der „Bild“-Chefredaktionen Julian Reichelt. Und für all die Leser, die auch E-Mails in Zeiten von NSA und Wikileaks nicht vertrauen: der Ombudsmann hat auch ein Postfach. Lesenswert zu neuem Ombudsmann ist auch der Beitrag von Moritz Tschermak auf dem Bildblog.

1 Antwort
  1. Patrick Grande
    Patrick Grande says:

    Spannend und sehr sehr relevant! Man ertappt sich ja selbst oft dabei, wie man „Wahrheiten“ im Netz glaubt – eher aus anderen Quellen als Trump’s Twitter Account – ist nur die Frage ob die relevante Zielgruppe (z.B.: Trump Supporter) dies jemals zu Gesicht bekommen werden. Besser wäre vermutlich eine Lösung durch den Dienst Twitter selbst – oder?

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