Was wurde aus

…dem „talentierten“ Trinkplakat?

Slide Water Billboard

In Perus Hauptstadt Lima mangelt es an sauberem Trinkwasser. Außerdem regnet es fast nie. Das führt 2013 zu einem Werbeplakat, das täglich 96 Liter frei abfüllbares Trinkwasser kondensiert und nebenbei für Ingenieursnachwuchs wirbt.

Die Ausgangslage ist ziemlich trocken. Wie auch Limas Standort, an der nördlichen Grenze der Atacama – bekannt, als die trockenste Wüste der Welt. 700.000 Peruaner haben in Lima keinen Zugang zu sauberem Wasser. Weitere 600.000 der fast 9 Millionen Einwohner von Lima sind von Zisternenwasser abhängig. Per Hand müssen sie es aus unterirdischen Sammelbecken pumpen und reinigen. Dazu mangelt es UTEC, der lokalen technischen Universität an Ingenieursnachwuchs. Zusammen mit ihrer Werbeagentur versuchen sie 2013 beide Probleme zu lösen.

potable water billboard

Trotz nahezu keinem Niederschlag, herrscht wegen der Küstenlage Limas eine hohe Luftfeuchtigkeit. Also beginnt das UTEC-Team ein 20 Meter hohes Werbeplakat an der Autobahn Panamericano mit Filtern und Becken für 1200 Dollar aufzurüsten. Seitdem filtern fünf Generatoren täglich mindestens 96 Liter Trinkwasser aus der 83 prozentigen Luftfeuchtigkeit. Laut der peruanischen Agentur Mayo DraftFCB produzierte die Maschine in den ersten drei Monaten 9.450 Liter Trinkwasser.

potable-water-generator

So geht dann wohl gute Werbung, findet später auch Cannes. Hunderte Menschen im Umkreis müssen sich seit 27 Monaten nicht mehr um Trinkwasser sorgen. Nicht bloß für eine kurze Promotionsphase. Die UTEC hat im besten Sinne für sich geworben, was man mit einem technischen Studium so alles anstellen kann. Und nebenbei stiegen die Immatrikulationen im Jahre eins der Installation des Plakats um 38%.

Und wie geht es weiter?

Der Discovery Channel, BBC News oder Wired berichten darüber. Millionen Menschen sind begeistert und teilen die großartige Idee. Pünktlich zum neuen Semesterbeginn 2014 widmet sich das UTEC-Team mit einem neuen Plakat der drückenden Luftverschmutzung von Lima. Hinter einem Werbeschild errichten sie einen Luftreiniger, der die Filter-Arbeit von 1200 Bäumen erledigt. Genauer gesagt, handelt es sich um eine Luftwäsche von täglich 100.000 qm Luft. Wer schon mal in Lima war, weiß was für eine immense Wohltat das ist.

Fresh air in the block

Breathing easier big city

Davon profitieren nun fünf umliegende Blocks. Doch bevor die UTEC ihre „talentierten“ Plakate in die Welt schickt, wollen die Wissenschaftler erst eine Testreihe abschließen um die höchstmögliche Effizienz zu erreichen. Aktuell läuft die Maschine mit 100% wiederverwendetem Wasser und dem Energieverbrauch eines Staubsaugers: 2500 Watt pro Stunde. „Mit unseren Plakaten versuchen wir die Lösungskraft unserer technischen Studien zu zeigen“, sagt Jessica Rúas von der UTEC. Das ist wohl gelungen. Klar kann man die beiden eingesetzten Maschinen noch mit Solar und Windkraft optimieren. Aber um die Plakatmaschinen in die Welt hinaus zu tragen, muss jetzt nur noch jemand ein Geschäft daraus machen. Vielleicht in dem man das Abwasser bzw. den Klärschlamm der Maschine verkauft. Algenfarmen, die Brennstoffe aus Algen herstellen würden für diese „Algennahrung“ gutes Geld bezahlen.

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  • Die UTEC, Universidad de Ingeniería y Technología (Universität für Ingenieurwesen und Technologie) in Lima (Peru) entwickelte ein Werbeplakat, dass aus Luftfeuchtigkeit frei zugängliches Trinkwasser für die Bevölkerung erzeugt.
  • Da die Region unter extremer Trockenheit leidet und vielen ärmeren Familien in der Region nur verschmutzes Brunnenwasser zur Verfügung steht, löst diese Erfindung ein echtes Problem.
  • Tatsächlich handelt es sich bei dem Plakat um ein Werbeplakat für die Universität selber, auf dem für Ingenieursnachwuchs geworben wird.
  • Der neueste Clou der UTEC: Ein Riesen-Plakat "wäscht"täglich 100.000 qm Luft, es erledigt die Filter-Arbeit von 1200 Bäumen.