Einblicke in einen UBX Jam

Wenn die Marke Kopf steht

UBX Jam in Wien in der Teamarbeit

Wenn die Marke Kopf steht - klingt nach Yoga-Kurs für Werber? Nicht ganz. Im UBX-Jam wechselt man die Perspektive und verdreht Gewohntes ins Gegenteil. Handtuch und Anti-Rutschsocken können dabei zuhause bleiben.

Vollgeschriebene Wände, jede Menge Knetmasse, Pappbäumchen sowie Legoklötze zieren den Raum. Dazwischen sitzen, stehen oder liegen glückliche Erwachsene. Nein, das hier ist weder eine Bastel-Werkstatt noch ein typischer Design-Thinking-Workshop. Typisch ist im Jam sowieso nichts: „Die Herangehensweise hier ist etwas, das ich so noch nie gemacht habe. Es ist extrem spannend und sehr wertvoll“, sagt Teresa Karan von Österreich Tourismus. Sie arbeitet im Bereich International Market Management und ist eine von 20 Markenvertretern, die im UBX Jam bereit sind, ihre Marke auf den Kopf zu stellen. „Wir nehmen die Marke und verkehren sie ins Gegenteil. Von dort aus entdecken wir ganz neue Möglichkeiten, wie Unternehmen Nützliches schaffen können“, erklärt Philippe Wyssen, einer der drei Moderatoren, die durch den Jam leiten.  

UBX Jam Gruppenarbeit

Rundgang bei den Gruppensessions. Foto: Thomas Bischof

„Meine Marke ist innovativ“- solche Worthülsen sind hier verboten

Die Jam-Teilnehmer werden in Gruppen durch mehrere Etappen geleitet. Im ersten Schritt geht es darum, den Kern der Marke zu benennen. Klingt einfach? Abstrakte Worthülsen wie „Meine Marke begeistert, ist innovativ, steht für Fortschritt und ein gutes Lebensgefühl“ sind dabei aber verboten. Gesucht sind konkrete Nutzenversprechen wie: „Mit uns wirst Du schlau“, „Jeder kann schön sein“ oder „Fühl Dich gesund“. Sobald diese gefunden sind, gelingt auch der nächste Schritt.

Mit gezücktem Stift und in seliger Errungenschaft ihres Markenkerns stehen die Teilnehmer vor den Wandtafeln und warten auf die zweite Aufgabe: Verkehre den Markenkern ins Gegenteil! Moderator Johannes Hindler treibt es dabei ein Lächeln ins Gesicht: „Die Teilnehmer erwarten diesen Schritt nicht. Er wirkt paradox, das überrascht sie. Dieser Perspektivenwechsel macht neugierig und bleibt bei den Teilnehmern in starker Erinnerung.“

Virtual Reality im UBX Jam in Wien

Begeistert experimentieren die Teilnehmer auch mit Technologien wie Virtual-Reality.  Foto: Thomas Bischof

Das bestätigt sich auch bei Thoms Schmidt, Leiter von Marketing und Sales bei WIFI Wien. Die Suche nach dem Gegenteil seines Markenkerns sorgt für viel Gesprächsstoff. Es werden immer wieder Blätter zerknüllt und durch den Raum geworfen, einzelne Gruppenmitglieder fassen sich an den Kopf. Thomas Schmidt versucht einen klaren Gedanken zu fassen: „Das ist schon eine Herausforderung, das Gegenteil auf den Punkt zu bringen. Dabei erhalte ich Input von Menschen, die nicht so tief in der Marke drin sind wie ich. Und diskutiere mit ihnen, was hineingehört und was nicht, das ist großartig und erweitert den Horizont!“

Es ist die Arbeit in den Gruppen, die Teilnehmer immer wieder als bereichernd empfinden. Da arbeitet schon mal ein Marketingleiter mit einem Kreativdirektor, einer Studentin und einem Verantwortlichen für Unternehmenskommunikation zusammen. Die Diversität der Teilnehmer sorgt für Schwung und ungewohnte Perspektiven: „Mit einem Team zu arbeiten, indem sich zwar alle täglich mit dem gleichen Thema, aber nicht mit der gleichen Marke beschäftigen, das ist schon etwas Besonderes“, sagt Barbara Baminger, Gruppenleiterin im Bereich Customer Experience bei A1.

Weniger denken und mehr auf Intuition setzen

Philippe schaut auf die Uhr, die Zeit ist abgelaufen. Jede Aufgabe ist zeitlich so bemessen, dass die Teilnehmer auch ein wenig ins Schwitzen geraten. Das wirkt für manche ungewohnt, sorgt aber für Dynamik. „Die Teilnehmer folgen dadurch stärker ihrer Intuition. Da wird nicht jede Entscheidung im Kopf nochmal gewendet und hinterfragt. So entstehen auch unkonventionelle, manchmal sogar radikale Ideen,“ erklärt Philippe.

UBX Jam finale Präsentation

Stefan Kainz von Wikifolio präsentiert seine Lösung, die kommt gut an. Foto: Thomas Bischof

Fünf Lösungskonzepte nach vier Stunden

Nach zwei weiteren Schritten sind die Jam-Teilnehmer ganz überrascht, wo sie nach nur vier Stunden in wild zusammenwürfelten Gruppen gelandet sind. „Für mich ist der UBX-Denkprozess sehr inspirierend. Er eröffnet den Raum, die Marke nochmal von einer ganz anderen Seite zu beleuchten und damit auf ganz andere Ideen zu kommen“, schildert Myron Kohut, Leiter der Abteilung Werbung und Portalmanagement von der Post AG. „Das Gegenteil von meinem Markenkern zu formulieren, fand ich total spannend. Danach hat es in meinem Kopf gleich weiter gerattert: Was mache ich jetzt damit?“, erklärt Stefan Kainz, Chief Commercial Officer von Wikifolio. Entspannung wie in einem Yoga-Kurs liefert der Jam nicht, aber die Teilnehmer fühlen sich mindestens so gut und voller Euphorie. „Ich habe heute so viel Positives erlebt und viele neue Ideen gewonnen. Ich gehe hier mit viel Inspiration und Energie wieder weg. Meine Batterien sind voll aufgeladen für die Themen User und Customer Experience“, sagt Barbara Baminger und lächelt zufrieden.