Marktforschung

“Daten sind das Gold des 21. Jahrhunderts”

“Daten sind das Gold des 21. Jahrhunderts” sagte GfK-Chef Matthias Hartmann 2014 in einem Interview mit der Welt. Das ist wohl auch der Grund, warum Markforschung so gefragt ist wie nie zuvor, denn niemand möchte heute noch Entscheidungen aus dem Bauch heraus treffen.

Heute orientieren sich Unternehmen an Zahlen & Fakten aus Verbraucherpanels und Usability-Test, an Personas und Fokusgruppen, an Keyfindings aus der Webanalyse und an Ergebnissen von A/B-Tests. Wo früher noch Annahmen die strategische Entscheidungsfindung dominierten, liegen heute fundierte Daten zugrunde. Das gilt sowohl für kleine Startups als auch für große Industriegiganten.

Doch wie findet man die passende Methode für die Datenerhebung? Welches Tool ist für welche Anforderungen geeignet und wann ist Aufwand und Ertrag im rechten Verhältnis? Die Liste an Möglichkeiten ist lang und wächst stetig weiter. Dieser Artikel kann bei diesen Fragen eine erste Orientierung verschaffen.

Methoden der Marktforschung, farblich unterschieden nach der Aktivität des Forschers, in einem zweidimensionalen Raum

Methoden der Marktforschung, farblich unterschieden nach der Aktivität des Forschers, in einem zweidimensionalen Raum

Die abgebildete Grafik zeigt einige Methoden, farblich unterschieden nach der Aktivität des Forschers, in einem zweidimensionalen Raum. Die X-Achse bezeichnet dabei die Nähe zur Zielgruppe, während die Y-Achse den Aufwand beschreibt, der nötig ist, um ein entsprechendes Signifikanzniveau zu erreichen.

Die Möglichkeiten eines Forschers zur Datenerhebung

Die einzelnen Methoden lassen sich nach der jeweiligen Tätigkeit des Forschers unterscheiden: Introspektion, Befragung, Verhaltensbeobachtung und Analyse von Verhaltensergebnissen. Was verbirgt sich hinter diesen vier Kategorien?

Introspektion

Introspektion bezeichnet die Selbstbeobachtung des Versuchsleiters. Scheint sie dem ersten Eindruck nach keine nennenswerte Methode zu sein, um valide Daten in einem Teilmarkt zu gewinnen, so hat sie dennoch ihre Daseinsberechtigung: Die Introspektion kann Ideen anregen und Hypothesen generieren.

Befragung

Unter allen möglichen Arten der Datenerhebung ist die Befragung wohl die beliebteste. Umfragen und Interviews zählen für viele Forscher als das einzige, valide Messinstrument. Das Vorgehen dabei lässt sich in drei verschiedene Arten unterteilen: offenes, teilstrukturiertes und strukturiertes Vorgehen.

Verhaltensbeobachtung

Der Vorteil der Verhaltensbeobachtung ist der hohe Grad an Objektivität. Verhaltensweisen lassen sich numerisch bestimmen, da sie von mehreren Beobachtern analysiert werden können. Anschließend kann man beispielsweise mit einem Korrelationskoeffizienten die Übereinstimmung der Ergebnisse überprüfen. Wichtig bei dieser Methode: damit die Beobachtung an sich das Verhalten der Testperson nicht verändert (soziale Erwünschtheit), muss die Beobachtung oftmals verdeckt erfolgen.

Analyse von Verhaltensergebnissen

Bei dieser Vorgehensweise werden Objektivationen des Verhaltens erfasst und analysiert. Typisch für diese Marktforschungsmethode sind Auswertungen von Absatzzahlen, der Rücklauf von Coupons oder die Betrachtung von Gebrauchsspuren (Zustand von Büchern in Bibliotheken oder der Bodenverschleiß in den Gängen von Supermärkten).

Der Einfluss der digitalen Welt auf die Marktforschung

Die Möglichkeiten eines Marktforschers sind durch den Einsatz moderner Messverfahren im Onlinebereich drastisch gestiegen. Die automatisierte Datenerhebung hat dazu geführt, dass sich die Analyse von Verhaltensergebnissen zur beliebtesten Marktforschungsmethode gemausert hat. Nie zuvor standen Unternehmen und Marktforschern so große Mengen an Daten zur Verfügung. Die Schwierigkeit liegt hier oftmals nicht mehr in der Erhebung, sondern in der Auswahl der relevanten Daten – der Spagat zwischen BigData und SmartData.

Vorsicht: Während bei der Introspektion und bei der Befragung klar herauskommt, warum eine Person ein Verhalten zeigt, können Verhaltensbeobachtungen oder Analysen von Verhaltensergebnissen die zugrunde liegenden psychologischen Variablen (Wahrnehmungsprozesse, Einstellungen, etc.) nicht erschließen. Somit eignen sich Introspektion und Befragung für den Innovationsprozess, während Verhaltensbeobachtungen und Analysen von Verhaltensergebnissen hauptsächlich im Optimierungsprozess eingesetzt werden sollten.

Vertrauen in die Ergebnisse aufbauen – die Gütekriterien

Eine Untersuchung sollte immer an den Gütekriterien Objektivität, Reliablität und Validität gemessen werden. Objektivtät bedeutet, dass die Ergebnisse einer Erhebung unabhängig vom Versuchsleiter sind. Reliabilität bezeichnet die Wiederholbarkeit einer Untersuchung. Validität ist dann gegeben, wenn wirklich das gemessen wird, was gemessen werden soll. Der Erfüllungsgrad dieser Kriterien lässt sich beispielsweise durch die Verwendung von Kontrollgruppen oder durch Einsatz unabhängiger Variablen erhöhen. Je mehr eine Untersuchung die Gütekriterien erfüllt, desto höher ist die Signifikanz, welche eine Bewertung der Aussagekraft der Untersuchungsergebnisse zulässt.

Ein Perspektivwechsel

Die Marktforschung befindet sich aktuell in einem starken Wandel, welcher unter anderem durch riesige Datenmengen beeinflusst wird. Nur wenige Unternehmen schöpfen derzeit das Potential von BigData aus. Fakt ist, dass ein smarter, analytischer Umgang mit der Vielzahl an Daten einen drastischen Wettbewerbsvorteil verschaffen kann. Im Detail zu wissen, was die Kunden wollen, kann Unternehmen in der Produktentwicklung und –optimierung merklich vom Wettbewerb abheben. Am Ende des Tages geht es schließlich nicht um das Sammeln von Argumenten, um die eigene Position zu stärken, sondern darum, einen langfristigen Lernprozess zu ermöglichen.

  • Wo früher noch Annahmen die strategische Entscheidungsfindung dominierten, liegen heute fundierte Daten zugrunde.
  • Die einzelnen Methoden lassen sich nach der jeweiligen Tätigkeit des Forschers unterscheiden: Introspektion, Befragung, Verhaltensbeobachtung und Analyse von Verhaltensergebnissen.
  • Nie zuvor standen Unternehmen und Marktforschern so große Mengen an Daten zur Verfügung. Die Schwierigkeit liegt oftmals in der Auswahl der relevanten Daten.
  • Eine Untersuchung sollte immer an den Gütekriterien Objektivität, Reliablität und Validität gemessen werden.
  • Ein smarter, analytischer Umgang mit der Vielzahl an Daten kann einen drastischen Wettbewerbsvorteil verschaffen.
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Werbung ist, wenn man nicht mehr lacht

Warum wir Markenkommunikation neu denken dürfen.

Werbung nervt. Für mich als Teil der Kommunikationsbranche, ein frustrierender Befund. Schließlich werden in Deutschland mehr als € 30 Mrd. jährlich in Werbung investiert. Und nicht nur das: Tausende Kreative arbeiten leidenschaftlich an Formaten, die ihre Empfänger dann nerven. Als ich in dieser Branche angefangen habe, hat man sich im Kino verabredet um die Cannes Rolle zu sehen. Heute unvorstellbar. Wie konnte das passieren?

Um das besser zu verstehen, schien mir ein Blick in Briefings lohnenswert. Und tatsächlich: In den Briefings finden sich in vielen Variationen die immer gleichen Fragestellungen und Vorgaben. Die zentrale Fragestellung in fast allen Briefings ist:

Wie schaffen wir es, dass Zielgruppe X uns kennt und begehrenswert findet?

Das ist sehr gut nachvollziehbar. Es steht außer Frage, dass Bekanntes und Beliebtes sich besser verkauft, als Unbekanntes und Unbeliebtes. Wenn man tiefer in die Briefings einsteigt, finden sich immer wieder fünf, als Vorgaben getarnte Glaubenssätze:

  1. Formale Konsistenz

    Nur wenn wir auf den ersten Blick wiedererkennbar sind, wird uns die Zielgruppe zuhören. Deswegen müssen Logo, Farben und Schriften, wie vordefiniert immer zum Einsatz kommen.

  2. Tonale Konsistenz

    Nur wenn unsere Marke mit der immer gleichen Tonalität spricht, wird unsere Marke so wahrgenommen, wie wir es gerne hätten. Deswegen müssen unsere Brand Values, Brand Proposition, Brand Personality, … in der Kommunikation immer präsent sein.

  3. Emotionalität

    Wenn wir die Zielgruppe emotional berühren, fällt es ihr leichter, sich an uns zu erinnern. Deswegen produzieren wir gerne Werbung mit Humor.

  4. Penetration

    Erst wenn wir der Zielgruppe unser Anliegen mit hoher Regelmäßigkeit vortragen, erinnert sie sich an uns. Deswegen schalten wir Werbung, immer wieder.

  5. 360 Grad

    Wenn wir unsere Zielgruppe an allen Touchpoints erreichen, erinnert sie sich schneller an uns. Deswegen schalten wir unsere Botschaften auf allen Kanälen gleichzeitig.

Auch das ist total plausibel und durch Werbeforschung solide hinterlegt. Diese Glaubenssätze geben uns Sicherheit im Handeln und haben sich als Standard etabliert.

Täglich von 3.ooo Werbebotschaften bombardiert

Zum Problem wird das erst, wenn man einen Schritt zurücktritt. Denn es gibt ja nicht nur eine Marke in Deutschland, die ihr Kommunikationsverhalten an diesen Glaubenssätzen orientiert, sondern tausende. In der Folge wird jeder Deutsche mit 3.ooo Werbebotschaften täglich bombardiert. Einem Stalker gleich lauern die immer gleichen Werbebotschaften (vgl. Konsistenz) ihren Empfängern bei jeder Gelegenheit auf: Im Kino, im Fernsehen, in Zeitschriften, auf der Straße, im Internet (vgl. 360 Grad). Ungefragt und unerwünscht. Langweilig und nervtötend.

Warum sich die relevante Zielgruppe entzieht

Von dem was nervt, wendet man sich ab. Diese Bewegung lässt sich am Wachstum von Netflix, Spotify oder der Verbreitung von Adblockern auch empirisch nachweisen. Über 40% der Generation Y in Deutschland hat einen AdBlocker installiert. Der Kern der zukünftigen werberelevanten Zielgruppe entzieht sich den Werbebotschaften. Weil sie tendenziell konsumkritischer sind und weil sie es können. Sie sind mit dem Internet aufgewachsen und wissen, wie man einen Browser konfiguriert, damit er keine Werbung mehr anzeigt. Sie können ein Netflix-Abo abschließen und haben keine Berührungsängste Spotify auszuprobieren.

Das Smartphone als GPS – General Problem Solver

Es besteht die Gefahr, dass Marken den medialen Kontakt mit der Generation Y verlieren. In dem Maße, wie sich die Generation Y von Werbung und werbefinanzierten Medien abwendet, wendet sie sich ihrem Smartphone zu. Über 90% der 19 bis 29-jährigen Deutschen haben ein Smartphone. Sie schauen durchschnittlich alle sieben Minuten auf ihr Gerät und verbringen täglich mehr als drei (!) Stunden am Smartphone.

Dabei nutzen sie das Smartphone nicht nur zum Informieren und Kommunizieren. Sie haben gelernt, dass es für viele Alltagsprobleme eine digitale Antwort gibt. Und dass, das Smartphone diese Antworten bereit hält. There is an app for that – oder genutzt wird, was nützt. Wenn wir den medialen Kontakt zwischen Marken und Konsumenten stabilisieren wollen, scheint es vielversprechend unsere Aufmerksamkeit dem zu wenden, das den Zielgruppen nützen kann. Damit das gelingt, braucht es einen Perspektivwechsel auf drei Ebenen:

Vom Senden zum Einfühlen

Das bisherige Handeln der Markenkommunikation bestand allein aus senden: Wenn wir es uns leisten können, auf allen Kanälen, rund um die Uhr. Wenn wir nun stattdessen mit unseren Zielgruppen in persönlichen Dialog treten, ihnen zuhören, werden wir große und kleine Alltagsprobleme entdecken.

Vom Verführen zum Unterstützen

Gute Marken schaffen es, dass wir mehr Geld als nötig für ein Produkt ausgeben. Gute Werbung verführt uns etwas zu kaufen, was wir vielleicht gar nicht brauchen. Das gelingt, wenn uns unsere Zielgruppen begehren. Wenn wir nun stattdessen beginnen Alltagsprobleme unserer Zielgruppen zu lösen, werden sie – falls gut gemacht – diese Lösungen regelmäßig nutzen und das auch weitererzählen. Werbung nervt nicht mehr, sondern macht das Leben leichter. Und wenn die Lösung etwas mit unserer Marke zu tun hat, dann hat auch die Marke etwas davon.

 Vom Optimieren zum Innovieren

Die immer bessere Messbarkeit der Werbeaktivitäten hat dazu geführt, dass wir die Sende-Verführungs-Mechanik kontinuierlich optimieren. Wir stellen dadurch sicher, dass unsere Werbung die Richtigen erreicht und so wirkt, wie wir uns das vorstellen. Unsere Angst vor Streuverlusten ist so groß, dass wir Google und Facebook in nur wenigen Jahren zu den wertvollsten Unternehmen der Welt gemacht haben. Wenn man so will war der Optimierungsdruck die Basis für die Vermögensbildung von Zuckerberg und Page. Das sei den Herren gegönnt. Sie haben sicher Spaß beim Ausgeben. Allerdings vermisse ich im Hamsterrad der Optimierung zunehmend den Spaß in unserer Branche. Wollen wir wirklich unsere kreative Kraft darauf verwenden, die Klick-Through-Rate einer Google Anzeige von 0,5 auf 0,52 zu erhöhen?

Warum nutzen wir nicht das gesamte Spielfeld, das uns die Digitalisierung bietet, um Lösungen zu schaffen, die unseren Zielgruppen und unserer Marke helfen. Hier sollten wir uns wieder trauen, eigene Innovationen zu schaffen und Dinge auszuprobieren. Eine mittelkomplexe App kostet heute weniger als eine Spiegel-Anzeige. Wir werden nur zu einem gewissen Grad im Vorfeld wissen, ob die App, die Website oder der Service angenommen wird. Deswegen sollten wir uns trauen, wie ein Inkubator zehn Ideen auf den Markt zu werfen. Die eine, die bei der Zielgruppe räsoniert, entwickeln wir weiter.

Was können wir als Marke unseren Zielgruppen Gutes tun?

In den USA werden pro Haushalt und Jahr über USD 500 für Fernsehwerbung ausgegeben. In Deutschland fließen jährlich € 30 Mrd. in die Sende-Verführungs-Optimierungs-Maschine. Ich träume davon, dass unsere Branche ihre analytischen und kreativen Fähigkeiten auch der Frage zuwendet: Was können wir als Marke unseren Zielgruppen Gutes tun? Werden nur drei Prozent der deutschen Werbebudgets der Erforschung dieser Frage gewidmet, steht jährlich eine Mrd. Euro zur Verfügung. Eine Mrd. Euro, die helfen kann den Alltag unserer Mitmenschen leichter zu gestalten und unsere Marken mit ihren Zielgruppen in Kontakt zu halten. Weil Werbung dann nicht mehr nervt, sondern hilft. Die Digitalisierung hat uns diese Möglichkeit eröffnet, wir sollten sie nutzen.

Umgelegte Schalter gegen Straftaten

Leuchtendes Beispiel

Wie ein Leuchtmittel-Hersteller mit seiner Kernkompetenz in zehn indischen Städten gegen Kriminalität kämpft.

Stellen Sie sich vor, Sie fahren abends nach Hause und in Ihrer Straße ist es stockfinster. Auch in den benachbarten Straßen Ihres Viertel ist es dunkel, weil es entweder keine Straßenbeleuchtung gibt oder sie nicht funktioniert. Was die meisten Europäer zutiefst beunruhigen würde, ist Alltag in großen Teilen von Delhi – und Nährboden zahlreicher Kriminalfälle von Raub, Diebstahl, Auto Entführungen bis zu Vergewaltigungen. Laut der lokalen Polizei werden in Indien täglich fünf Frauen vergewaltigt.

 

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Wie bekämpft man ein komplexes Problem?

Trotz der Verschärfung von Strafgesetzen durch die Regierung und verstärkten Polizeimaßnahmen bleiben 70% der Fälle ungeklärt. Dieser traurige Umstand rief auch viele Unternehmen und private Initiativen auf den Plan um mit mobilen Apps oder Notfalls-Hotlines dagegen zu kämpfen. Der indisch-japanische Leuchtmittelhersteller Halonix sieht sich den wissenschaftlich gut dokumentierten Zusammenhang, zwischen Dunkelheit und Kriminalität näher an und bringt mit seiner Kernkompetenz Licht ins Dunkel. 2014 startet Halonix eine Facebook Umfrage. Bürger von Dehli sollten Straßen nominieren, die bessere Beleuchtung benötigten. Neharika Awai Minocha sandte dieses Foto ein.

 

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Von der Umfrage zur Kampagne

Der Social Media Umfrage lässt Halonix eine Werbekampagne folgen, deren Plakate die Straßen der meistgenannten Plätzen beleuchten. Und zwar nicht nur in Dehli. Nach konstant gutem Feedback erweitert Halonix die Kampagne auf aktuell zehn Städte, von Mohali, Jalandhar, Kanpur, Mathura, Allahbad, Lucknow, Patna, Trivandrum bis Chennai. Wieder übernimmt ein privates Unternehmen die Aufgaben von überforderten Stadtverwaltungen. „Wir sehen uns als eine Marke, die sich verpflichtet fühlt, nicht nur davon zu sprechen sondern auch tatsächlich nachhaltige Arbeit zu leisten“, sagt Rakesh Zutshi, Managing Director von Halonix und bestätigt, die Kampagne auf noch zehn weitere Großstädte Indiens ausdehnen zu wollen.

 

 

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Kleiner Schritt in die richtige Richtung

Nach der Kampagne steigt die Markenbekanntheit von Halonix in Indien immens, von 20% auf 70%. Dazu kommen über 100.000 Facebook Engagements während der mehrmonatigen Kampagne, die insgesamt 6 Millionen Inder erreichen. Angesichts der 1,2 Milliarden Bewohner des Landes, wirkt das nach keinem durchschlagenden Erfolg. Die Finalplatzierung des Projekts „Safer City“ bei den Cannes Lions 2014 unterstreicht aber die Kraft der Idee. Zahlen zu einer veränderten Vergewaltigungs- oder Kriminalitätsrate an den beleuchteten Plätzen gibt es aktuell nicht. Ein besseres Gefühl auf die Straße zu gehen, geben die Leuchtplakate vermutlich schon.

 

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  • Die fehlende Straßenbeleuchtung in indischen Städten ist ein Nährboden zahlreicher Kriminalfälle von Raub, Diebstahl bis zu Vergewaltigungen.
  • Der indisch-japanische Leuchtmittelhersteller Halonix nahm sich diesen Umstand zum Anlass, um mit einer Kampagne in Form von Leuchtplakaten das Problem zu bekämpfen.
  • Nach gutem Feedback der Bevölkerung erweitert Halonix die Kampagne auf zehn Städte von Dehli, Mohali, Jalandhar, Kanpur, Mathura, Allahbad, Lucknow, Patna, Trivandrum bis Chennai und plant eine Erweiterung auf zehn weitere indischen Städte.
  • Im Zuge der Kampagne steigt die Markenbekanntheit von Halonix in Indien von 20% auf 70%.
Schlaue Stäbchen gegen Schadstoffe

Essstäbchen, die smarter sind als du

Der chinesische Suchmaschinenanbieter Baidu hat Essstäbchen entwickelt, die Benutzer vor Schadstoffen im Essen warnen sollen.

Alles begann mit einem Aprilscherz. Am ersten April 2014 verkündete das chinesische Web Services Unternehmen Baidu die Entwicklung eines neuen Produktes: Smarte Essstäbchen, die mit Hilfe von Sensoren rechtzeitig erkennen, ob Schadstoffe im Essen sind. Die in der Vergangenheit von Lebensmittelskandalen geplagte chinesische Bevölkerung reagierte geradezu euphorisch. Das Video, das die Essstäbchen ankündigen sollte, wurde bereits in den ersten vier Stunden 2,7 Millionen mal gesehen. Insgesamt 100 Millionen User Kommentare zeigen Baidu deutlich, dass sie einen Nerv getroffen hatten.

Aus dem Aprilscherz wird Ernst

Baidu entschloss sich daraufhin die als Scherz gedachten Stäbchen wirklich auf den Markt zu bringen. Binnen weniger Monate entwickelte das Unternehmen das Produkt „Baidu Kuaisou“, die Stäbchen, die erkennen können, ob Speiseöl bereits mehrmals verwendet wurde oder frisch ist. „Baidu Kuaisou“ kann also nicht jedes schädliche Essen erkennen, wie im Hoax Video beschrieben. Doch gerade in China werden sehr viele Speisen mit Öl frittiert, weshalb auch die Gefahr, dass altes Speiseöl verwendet wird, groß ist.

Wie die Stäbchen funktionieren

Doch wie erkennen die schlauen Stäbchen, welches Öl in einem Restaurant zum Kochen verwendet wird? Sensoren an der Spitze der Essstäbchen nehmen Informationen über das Speiseöl auf. Am Ende der Stäbchen leuchtet ein Licht, das zeigt, ob das Essen ohne Bedenken gegessen werden kann. Daten, wie die Frische des Öls, der PH Wert, die Temperatur und die Kalorienwerte, werden von den Stäbchen an eine App am Smartphone gesendet. Dort kann man alle Daten über das Essen abrufen.

 

Neben Privatpersonen interessieren sich auch Restaurants und chinesische Regierungsbehörden für die Innovation. Doch vorerst wird der Prototyp der Stäbchen weiterentwickelt, um sie zu einem erschwinglichen Preis auf den Markt bringen zu können. Ob und wann das der Fall sein wird, bleibt offen. Die chinesischen Konsumenten würden es sich jedenfalls wünschen.

 
  • „Baidu Kuaiso“ sind Essstäbchen, die über Sensoren erkennen, ob beim Kochen der Speisen schlechtes Öl verwendet wurde
  • Sie wurden der chinesischen Öffentlichkeit als Aprilscherz vorgestellt und aufgrund der großen Nachfrage tatsächlich gebaut
  • Der Prototyp wird weiterentwickelt, um bald in Produktion gehen zu können
Gesichtserkennung

Ich kenne dich irgendwoher…

Ein kritischer Blick auf die Entwicklung und den Einsatz von Gesichtserkennung im Social Web

I’ve grown a acccustomed to her face“ sinniert Rex Harrison 1956 im Musical „My Fair Lady“. 59 Jahre später automatisiert ein kanadischer Entwickler die Speeddating-App Tinder durch Gesichtserkennung und „gewöhnt“ sein Smartphone so an hunderte von Damen, die ihm gefallen könnten. Datengiganten wie Facebook und Google forschen fleißig mit, lehren ihre Computer anhand von Face Recognition zu erkennen, wer oder was zu wem passt. Technisch genial? Oh ja. Creepy? Oh ja.

Eins vorweg: automatisierte Gesichterkennung ist nicht neu. Entsprechende Verfahren und Technologien wurden schon vor Jahrzehnten entwickelt. Dahinter stecken in der Regel drei einfache Schritte: ein Computer „lernt“ Gesichtsstrukturen anhand von einer bestimmten Datenmenge, verdichtet sie zu einer Maske und gleicht diese mit anderen Gesichtern ab. Ein einfaches Beispiel dafür ist die Eigengesicht-Methode.

10 potenzielle Dates in 48 Stunden

Wie simpel man derartige Verfahren für eigene Zwecke einsetzen kann, beweist der kanadische Entwickler Justin Long. Er hat mithilfe der Eigengesicht-Methode einen Tinder-Bot zusammengebastelt. „Tinderbox“ lokalisiert automatisch Tinder-Matches und spielt dem jeweiligen User Notifications aus, wenn ein Match gefunden wurde. Alles, was der Bot braucht, um zu funktionieren, sind 60 „yes“ oder „no“ Entscheidungen des Tinder-Users. Den Code hinter seiner Entwicklung stellt Long auf Github jedem zum Download und zur Weiterentwicklung bereit. Der Entwickler hat laut eigenen Angaben Tinderbox deaktiviert, weil es „zu gut funktioniere“. 70 % der Bot-Entscheidungen seien Treffer gewesen. Um all die daraus resultierenden Matches zu daten, braucht es vermutlich viel Ausdauer.

Deepface und die große Frage nach dem „Ob“

Eine 70prozentige Trefferquote ist nicht schlecht. Dass Gesichtserkennung noch viel akkurater und größer funktioniert, zeigt Facebook. Seit einigen Jahren geistert deren Forschungsprojekt „Deepface“ durch die Medien. Dahinter verbirgt sich ein komplexes, technisches Verfahren, das laut Facebooks Angaben Gesichter in 97,35 % der Fälle wiedererkennt (Untersuchungsgrundlage: über 4 Millionen Bilder aus über 4.000 Facebook-Profilen). Viel akkurater erkennen Menschen einander nicht (97,5prozentige Erkennungsquote). Facebook erkennt uns User also derzeit fast genau so gut, wie wir einander im Real Life erkennen. Wow…

Deepface generiert anhand von unterschiedlichen fotografischen Aufnahmen eines Gesichts ein 3D-Modell, das wie eine Universalmaske exakt jenem Gesicht passt und es identifizierbar macht. Daraus entsteht eine Art Foto-ID für jeden Facebook-User.
Facebook weiß dementsprechend ohne weitere Angaben wie Location, Text oder Tags anhand von Fotos, wo sich ein User aufgehalten hat, mit wem er unterwegs war und wofür er sich interessiert. Die bisher von Facebook gesammelten Personendaten werden also sozusagen um eine sehr persönliche und eindeutig zuordenbare Komponente ergänzt.

Was Facebook mit den Ergebnissen aus Deepface macht? Laut eigenen Angaben dient Deepface nur Forschungszwecken. Es werde nicht aktiv angewendet. Was Facebook mit den Daten machen könnte, liegt auf der Hand: Geld. Ad-Targeting würde sich zum Beispiel nicht mehr nur auf Nutzerangaben- und verhalten beschränken. Werbebotschaften ließen sich so um ein vielfaches treffsicherer an den Mann oder die Frau bringen: „We know you like these glasses because we saw you wearing similar ones!“ Dass diese Entwicklung von vielen Datenschützern und Privacy-Verfechtern mehr als kritisch gesehen wird, liegt auf der Hand.

  • Zu den bekanntestesten Gesichtserkennungs-Verfahren gehört die „Eigengesicht-Methode“.
  • Menschen erkennen Gesichter in 97,5 Prozent der Fälle wieder.
  • Facebooks Deepface unterbietet diesen Wert laut eigenen Angaben nur knapp: 97,35 %.
  • Angeblich wird Deepface nur zu Forschungszwecken verwendet werden. Angeblich.
Lichtfahrer sind sichtbarer

Volvo bringt britische Radfahrer mit Life Paint zum Leuchten

Volvo Life Paint

Volvo kümmert sich um die Sicherheit von britischen Radfahrern und stellt ihnen ein Spray namens Life Paint zur Verfügung, das mittels reflektierender Partikel, Fahrrad, Helm oder Kleidung im Dunkeln sichtbarer macht.

In Großbritannien sind jährlich über 19.000 Fahrradfahrer in Unfälle verwickelt. Und obwohl sich Radfahrer und Autofahrer täglich darum streiten, wer denn nun „King of the road“ sei, hat ausgerechnet ein Autohersteller die Sicherheit von britischen Radfahrern zur Priorität gemacht. Volvo UK bringt eine Sprühfarbe auf den Markt, die auf Fahrrad oder Helm gesprüht, bei Nacht Licht reflektiert und so dazu beiträgt, Radfahren im Dunkeln sichtbarer zu machen. Die Entwicklung der Life Paint ist Teil von Volvos 2020 Vision, die sich als Ziel setzt, dass in fünf Jahren keine Personen mehr durch neue Automodelle von Volvo zu Schaden kommen werden.

Volvo hat mit Life Paint eine Nutzen stiftende Kampagne entwickelt und der Run auf das Produkt gibt ihnen Recht. 2000 Dosen der reflektierenden Farbe werden in insgesamt sechs Fahrrad Geschäften in London und Umgebung gratis angeboten und sind innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Sofort findet die Life Paint ihren Weg auch auf eBay und wird dort für über 180 Dollar verkauft.

Auch auf Social Media hinterlässt die Life Paint ihre Spur. Das Video, in dem die Volvo Sprühfarbe vorgestellt wird, erhält allein auf YouTube über 4,5 Millionen Views und 12.500 likes.

Ein PR Erfolg für Volvo, der das Potential hat Radfahren sicher zu machen?

Absolutely! Doch nicht alle Radfahrer zeigen sich mit der Volvo Kampagne einverstanden. So wird kritisiert, dass sich die Maßnahmen zur Verbesserung der Radfahrbedingungen nur an die Radfahrer selbst richten, die Autofahrer jedoch nicht angesprochen werden. Der Zorn eines dänischen Radfahrers auf Volvo geht gar so weit, dass er eine Petition ins Leben gerufen hat. Die Petition fordert Volvo dazu auf, alle Volvo Autos und Trucks mit Life Paint sichtbarer zu machen, und nicht nur Fahrräder. Auch wird in Frage gestellt, ob erhöhte Sichtbarkeit bei Radfahrern wirklich das Risiko senkt in einen Unfall verwickelt zu werden.

Dass Volvo in der Markenkommunikation auf das Thema Sicherheit setzt, ist durchaus überzeugend und auch die Life Paint Kampagne entfacht einen Hype, mit dem die Verantwortlichen sicher mehr als zufrieden sind. Und trotzdem nehmen Einige Volvo die Nächstenliebe nicht wirklich ab. Ein Los, das viele Marken, die nützliche Werbung machen, trifft, das sich jedoch schwer verhindern lässt. Haters gonna hate oder so ähnlich. Auch wenn es im Fall von Volvo Life Paint nur ein dänischer Radfahrer ist, der seinem Ärger auf die Autoindustrie Luft macht (und vielleicht nebenbei den in Dänemark nicht gerade beliebten Schweden eins auswischen will).

  • Volvo UK bringt eine Sprühfarbe auf den Markt, die auf Fahrrad oder Helm gesprüht, bei Nacht Licht reflektiert und so dazu beiträgt, Radfahren im Dunkeln sichtbarer zu machen.
  • Die 2000 in London und Umgebung verteilten Spraydosen sind innerhalb kurzer Zeit ausverkauft und werden auf eBay für 180 Dollar angeboten.
  • Kritiker der Life Paint sehen darin keine innovative Lösung, die Unfälle wirklich verhindern kann.
Das Mützchen zwischendurch

Nächste Ausfahrt: Siesta

Wie lässt man potenzielle Kunden in einem möglichst natürlichen Bedarfsfall die Vorteile seines Produkts erfahren? IKEA hatte da eine Idee.

Eine mächtige Autolawine wälzt sich im Schritttempo über den glimmernden Asphalt der A6 zwischen Paris und Lyon. Der Beginn der französischen Schulferien löst eine Völkerwanderung aus, die sich per Satellit auch vom Mond aus beobachten ließe. Der Norden Frankreichs rollt an die Küste in den Süden. Väter fluchen, Mütter versuchen sie davon abzuhalten, Kinder müssen alle 30 Minuten aufs WC.

Monate davor stehen Stéphanie Jourdan, Kommunikations-Manager bei IKEA Frankreich   und ihr Team vor einer Herausforderung. Die aktuelle Betten und Matratzenkollektion ihres Arbeitgebers will auf eine ungewöhnliche Art Kunden näher gebracht werden. Sie fragt sich: „Wie könnten wir unseren Kunden mit unseren Betten nützen?“ Sie darauf schlafen zu lassen, liegt nahe. Das kostet aber viele Testmatratzen. Die Antwort rollt nicht weit von IKEA Djion, an der meistbefahrendsten Autobahn Europas vorbei.

Einer der Hauptgründe für tödliche Unfälle auf Autobahnen ist der Sekundenschlaf am Steuer. Laut der französischen Polizei passieren deswegen 33% der tödlichen Unfälle. Experten raten dringend, sofort einen Rastplatz anzusteuern um sich zu erholen. Gar nicht so leicht, sitzen etwa Kinder am Rücksitz. Doch genau dieses Problem verhalf Stéphanie Jourdan zur Lösung.

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Halten Sie Ausschau nach diesem Schild

Mit einem temporären Hotel auf der Raststätte Beaune-Tailly hilft IKEA 2011, ermüdeten Autofahrern sich zu erholen. In 28 Zimmern auf zwei Stöcken mit je einem Bett, Teppich, Nachttisch und Spiegel. Reisende können sich darin kostenlos für 20 Minuten erholen. Das ist die wissenschaftlich erwiesene sinnvollste Siesta-Zeit. Währenddessen erholen sich Herz und Hirn optimal, ohne in zu tiefe Schlafphasen zu sinken. Kinder werden von 1o:00 bis 20:00 von ausgebildeten Erziehern betreut.

„Die Gäste, die bei uns einchecken, haben genug von der Autobahn. Sie sind froh, wenn sie sich hier erholen können“, sagt Stéphanie Jourdan. Nach der Siesta verbinden sie ein gutes Gefühl mit dem Bett. Das eingerahmte Preisschild bleibt nicht unbemerkt. Im hoteleigenen Betten-Showroom können sie noch andere Modelle testen.

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Was bleibt?

Auch wenn die erwartete Zahl an Gästen unter 10.000 blieb, kann sich IKEA über eine gelungene Aktion freuen. „Das Feedback der Gäste war sehr gut. Sie sehen es als wirkliche Hilfestellung. Die Menschen haben aber auch Zeit gebraucht, sich an die Idee des temporären Hotels zu gewöhnen“, sagt Stéphanie Jourdan.  Am Ende der Aktion wurden alle verwendeten Möbeln an die Obdachlosen-Organisation Les Toits du Coeur (http://www.restosducoeur.org/content/logement )in Djion gespendet. Das beinhaltete neben 28 Betten, über 5000 Bettwäsche–Sets.

 

  • Einer der Hauptgründe für tödliche Unfälle auf Autobahnen ist der Sekundenschlaf am Steuer.
  • Mit einem temporären Hotel auf an der meistbefahrendsten Autobahn Europas hilft IKEA 2011 ermüdeten Autofahrern sich zu erholen und gleichzeitig potenziellen Kunden ihre Produkte erfahren zu lassen.
  • Innerhalb von drei Wochen nutzen zahlreiche Autofahrer das Angebot. Am Ende werden die verwendeten Möbel einer Hilfsorganisation gespendet.