#ubx2015

Die UBX-Konferenz 2015 in Tweets

Ein gezwitscherter Rückblick auf die erste UBX Konferenz

Jeder Tweet eine Kugel. Das war das Motto der Twitter Kugelbahn auf der #ubx2015 am 19. November 2015 in München. Ein Mikrocontroller steuerte die Konstruktion des Munich Maker Lab. Bei jedem Tweet mit dem Konferenz-Hashtag schickte er Bälle über die Köpfe der Gäste auf die Reise. Insgesamt machten sich mehr als 400 Bälle auf den Weg. Dieser Artikel lässt die Konferenz noch einmal entlang ausgewählter Tweets Revue passieren.

Stefan Sagmeister zeigt, „Why Beauty Matters“

Stefan Sagmeister - Why Beauty Matters

Die erste UBX-Konferenz eröffnet der Designer Stefan Sagmeister aus New York mit ästhetischen Bildern und der Erkenntnis: Auch Ästhetik ist funktional.

Ralf Heller mit einem „Marketing Reboot“

Ralf Heller - UBX

Nach dem österreichischen Designer folgt Ralf Heller, der Initiator der UBX-Konferenz und Gründer von Virtual Identity.

Dirk Baecker: „Steps Toward Complex Brands“

Dass Systemtheorie den einen oder anderen verwirrt, überrascht nicht. Nur Dirk Baecker gelingt es aber, dass sich diese Verwirrung wohltuend anfühlt.

Drei UBX-Beispiele von Huggies, Samsung und UTEC

Nach drei Perspektiven zu Beginn der Konferenz leiten die beiden Moderatoren Nadja Parpart und Dieter Rappold über, zu den Vorträgen konkreter Beispiele von Useful Brand Experience. First up: Jessica Ruas Quartara von der University of Technology and Engineering aus Peru mit einem ungewöhnlichen Werbeplakat.

„Doing good while we sleep“. Dass das geht, zeigte Gregor Almássy von Samsung.

Als letzte Rednerin betritt Priya Patel von Huggies (Kimberly-Clark) die Bühne. Von ihr erfahren die Gäste, dass 3D-Druck und große Emotionen kein Widerspruch sind.

Sascha Welters von Twitter über „The Power of Now“

Sascha Welters von Twitter

Nach einer kurzen Mittagspause geht es weiter mit Sascha Welters von Twitter und seinem Thema „The Power of Now“.

Umsetzungstipps von Mike Brandt und Ingmar de Lange

Hands Up! Yeah! Das verlangt Mike Brandt vom Publikum und erklärt anschließend, wie Useful Brand Experience entsteht.

Ingmar de Lange

Ingmar de Lange, von der niederländischen Agentur Mountview wird in seiner Rede konkret und bietet rund ein Dutzend praktischer Umsetzungstipps an.

Wolf Lotter: „Wer sich von Routinen befreit, sieht mehr, weiter und schärfer“

Wolf Lotter

Als letzter Redner bringt Wolf Lotter noch einmal alle Gäste vor der Konferenzbühne zusammen und nimmt sie mit auf eine Reise von Clint Eastwood zu Giotto di Bondone.

Nun ist die UBX Konferenz zu Ende. Was bleibt, sind Erinnerungen an einen Tag voller Inspiration.

Werbung = Exkremente?

Vom kleinen Werber, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat

Vom kleinen Werber, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat

"Unterwegs sehe ich, wie ein völlig betrunkener Mann auf die Tür seines türkisfarbenen Porsche-Cabrios kotzt, während er versucht, den Wagen aufzuschließen. Ich sehe schnell auf die Autonummer. D wie Düsseldorf. Aha, ein Werber, denke ich. Das muss man sich mal vorstellen: Ein türkisfarbener Porsche."

Denke ich an meine Branche, denke ich an diese Zeilen aus Christian Krachts „Faserland“. Vielleicht aus Nostalgie. Vielleicht aus Amüsement. Oder vielleicht, weil ich „Werber“ und aus Düsseldorf bin.

Beschissener als ich ist nur der Versicherungsvertreter. Das sagt auch die Gesellschaft. Warum? Ganz einfach: Weil Werber es geil finden, „der armen Hausfrau ein nutzloses Produkt in den Warenkorb stopfen zu können“, wie es Frederic Beigbeder in 99 Francs schreibt. Der Werber also; ein abgedrehter Fatzke, ein spinnerter Moralscheißer, oder wie Beigbeders Protagonist Octave Parango eben ein „Weltverschmutzer“. Auch mit der Milde einer intakten Nasenscheidewand jedenfalls keiner, der etwas Nützliches schafft.

Wahrlich in den Warenkorb stopft heute, 20 Jahre nach Faserland und 15 Jahre nach 99 Francs, keiner mehr was – das geht gemütlich per Klick. Allein, in diesem komischen Internetz vernebeln bei all der Messbarkeit die Korrelationen; ein guter TV-Spot schafft Umsatz, klar, aber was schafft ein Blogpost? Statt eine Antwort zu suchen, lieber schnell ein englisches Wort erfinden, bevor die Panik losbricht. Nicht dass jemand meinen Wertbeitrag hinterfragt, oder die große Sinnsuche losbricht. Außerdem gibt es ja noch die gute alte Reichweite, auf die ist Verlass. Weniger sehen, mehr gesehen werden. Danke Google! Danke Facebook! Euronen gegen Impressionen!

Clemens Gatzmaga in Düsseldorf

Also, alles sinnlos?

Ehrlich gesagt, da denke ich noch drüber nach.
Aber vielleicht stellen wir ja einfach die falschen Fragen. Dieses „was lässt mich gut aussehen?“, das ist doch auf die Dauer ganz schön anstrengend; ich habe das, was du nicht hast. Also favorisiere, like, liebe mich. Clemens Bruno Gatzmaga. Ich poste also bin ich. Das Essen auf den Tisch, das Smartphone aus der Hülle. An meiner Selfie-Schnute muss ich noch üben, aber die pseudo-intellektuelle Schreibe läuft schon ganz gut. Hier einen literarischen Verweis und da noch einer. Und möglichst meta bleiben. Hashtag #läuftbeimir.

Nein, so wird das nichts. Ich habe ja Macken – und die Unternehmen auch. Die kennen meine Freunde, die kennen meine Fans. Wie wäre es dann mit der Wahrheit? Aufrichtigkeit ohne attraktives Äußeres könne nur scheitern? Werber-Denke der alten Schule!
Mit seinen Macken umgehen, zuhören, daraus lernen. Feedback und so. Und dabei nützlich sein. Das ist der heiße Scheiß. Oder wäre das nichts? Mit Marketingbudget für Menschen mal nützlich sein? Das wäre doch mal ein Anfang. An dem stehen wir Klick-Fetischisten nämlich noch. Und wenn das nichts ist, wird irgendein Weltverschmutzer meinem Ego schon eine Kompensationshandlung schmackhaft machen können. Türkisfarbener Porsche gefällig?

Zusammenfassung: Facebook, Google, Euronen für Impressionen! Klick hier, klick da. Geht es auch anders? Als Marke mit seinen Macken umgehen, daraus lernen und dem Endkunden von Nutzen sein. Das wär doch mal was!
Was wurde aus

…dem „talentierten“ Trinkplakat?

Slide Water Billboard

In Perus Hauptstadt Lima mangelt es an sauberem Trinkwasser. Außerdem regnet es fast nie. Das führt 2013 zu einem Werbeplakat, das täglich 96 Liter frei abfüllbares Trinkwasser kondensiert und nebenbei für Ingenieursnachwuchs wirbt.

Die Ausgangslage ist ziemlich trocken. Wie auch Limas Standort, an der nördlichen Grenze der Atacama – bekannt, als die trockenste Wüste der Welt. 700.000 Peruaner haben in Lima keinen Zugang zu sauberem Wasser. Weitere 600.000 der fast 9 Millionen Einwohner von Lima sind von Zisternenwasser abhängig. Per Hand müssen sie es aus unterirdischen Sammelbecken pumpen und reinigen. Dazu mangelt es UTEC, der lokalen technischen Universität an Ingenieursnachwuchs. Zusammen mit ihrer Werbeagentur versuchen sie 2013 beide Probleme zu lösen.

potable water billboard

Trotz nahezu keinem Niederschlag, herrscht wegen der Küstenlage Limas eine hohe Luftfeuchtigkeit. Also beginnt das UTEC-Team ein 20 Meter hohes Werbeplakat an der Autobahn Panamericano mit Filtern und Becken für 1200 Dollar aufzurüsten. Seitdem filtern fünf Generatoren täglich mindestens 96 Liter Trinkwasser aus der 83 prozentigen Luftfeuchtigkeit. Laut der peruanischen Agentur Mayo DraftFCB produzierte die Maschine in den ersten drei Monaten 9.450 Liter Trinkwasser.

potable-water-generator

So geht dann wohl gute Werbung, findet später auch Cannes. Hunderte Menschen im Umkreis müssen sich seit 27 Monaten nicht mehr um Trinkwasser sorgen. Nicht bloß für eine kurze Promotionsphase. Die UTEC hat im besten Sinne für sich geworben, was man mit einem technischen Studium so alles anstellen kann. Und nebenbei stiegen die Immatrikulationen im Jahre eins der Installation des Plakats um 38%.

Und wie geht es weiter?

Der Discovery Channel, BBC News oder Wired berichten darüber. Millionen Menschen sind begeistert und teilen die großartige Idee. Pünktlich zum neuen Semesterbeginn 2014 widmet sich das UTEC-Team mit einem neuen Plakat der drückenden Luftverschmutzung von Lima. Hinter einem Werbeschild errichten sie einen Luftreiniger, der die Filter-Arbeit von 1200 Bäumen erledigt. Genauer gesagt, handelt es sich um eine Luftwäsche von täglich 100.000 qm Luft. Wer schon mal in Lima war, weiß was für eine immense Wohltat das ist.

Fresh air in the block

Breathing easier big city

Davon profitieren nun fünf umliegende Blocks. Doch bevor die UTEC ihre „talentierten“ Plakate in die Welt schickt, wollen die Wissenschaftler erst eine Testreihe abschließen um die höchstmögliche Effizienz zu erreichen. Aktuell läuft die Maschine mit 100% wiederverwendetem Wasser und dem Energieverbrauch eines Staubsaugers: 2500 Watt pro Stunde. „Mit unseren Plakaten versuchen wir die Lösungskraft unserer technischen Studien zu zeigen“, sagt Jessica Rúas von der UTEC. Das ist wohl gelungen. Klar kann man die beiden eingesetzten Maschinen noch mit Solar und Windkraft optimieren. Aber um die Plakatmaschinen in die Welt hinaus zu tragen, muss jetzt nur noch jemand ein Geschäft daraus machen. Vielleicht in dem man das Abwasser bzw. den Klärschlamm der Maschine verkauft. Algenfarmen, die Brennstoffe aus Algen herstellen würden für diese „Algennahrung“ gutes Geld bezahlen.

  • Die UTEC, Universidad de Ingeniería y Technología (Universität für Ingenieurwesen und Technologie) in Lima (Peru) entwickelte ein Werbeplakat, dass aus Luftfeuchtigkeit frei zugängliches Trinkwasser für die Bevölkerung erzeugt.
  • Da die Region unter extremer Trockenheit leidet und vielen ärmeren Familien in der Region nur verschmutzes Brunnenwasser zur Verfügung steht, löst diese Erfindung ein echtes Problem.
  • Tatsächlich handelt es sich bei dem Plakat um ein Werbeplakat für die Universität selber, auf dem für Ingenieursnachwuchs geworben wird.
  • Der neueste Clou der UTEC: Ein Riesen-Plakat "wäscht"täglich 100.000 qm Luft, es erledigt die Filter-Arbeit von 1200 Bäumen.