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Neues Leben für alte Handys

Haltungsschäden digital kurieren

Schulbücher sind teuer, schwer und führen in überfüllten Rucksäcken zu Haltungsschäden. Die philippinische Aktion TXTBKS löst das Problem, ohne dass Eltern teure Tablets kaufen müssen.

Philippinische Volkschulkinder müssen mehr als 22 Schulbücher über kilometerlange Strecken zu Fuß zur Schule schleppen. Der öffentliche Verkehr abseits der Hauptstadt ist dazu schlecht ausgebaut, die Wege sind unzureichend erschlossen. Laut staatlichen Stellen schädigt die unnötige Rückenlast nicht nur die Haltung philippinischer Volksschüler, es erschöpft sie schon vor der Schule.

SIM Karten statt Schulbücher

In westlichen Ländern werden Schulbücher zusehends durch leichte Tablets ersetzt. Das können sich die meisten philippinischen Eltern jedoch nicht leisten. Der lokale Telekomanbieter Smart Communications bietet eine Lösung an, die ihrem Firmennamen gerecht wird: Tablets mögen für den Durchschnitt unerschwinglich sein. Analoge Mobiltelefone besitzen jedoch die meisten Familien bzw. gibt es große Sammlungen an ausrangierten, aber funktionstüchtigen Handys. Das weiß Smart zu nutzen. Sie produzieren kostenlos SIM-Karten, auf denen die gesamten Inhalte der Schulbücher in Lernprogrammen aufbereitet waren.

Wie die Bücher digital übersetzt werden

In allen Landesteilen gratis verteilt, werden alte Mobiltelefone mit diesen SIM-Karten bestückt und in intelligente e-Reader für Schulkinder verwandelt. Smart beauftragte dazu Schulbuch Autoren die Übungen in 160 Zeichen Versionen zu übersetzen. Sie ersetzen im Unterricht und zu Hause die gedruckten, aber nicht neu bespielbaren Unterrichtsmittel. So werden beispielsweise interaktive Übungen zum Englischunterricht vollständig mit Mobiltelefonen ermöglicht, etwa durch Multiple-Choice-Test, wie man auf dem Foto sehen kann.

 

Was die Aktion bewirkt

Über 95% der Schüler der teilnehmenden Partnerschulen benutzen heutzutage diese intelligente Wiederverwertung von ausrangierten Telefonen. Das reduzierte das durchschnittliche Gewicht einer Schultasche um mehr als die Hälfte. Lehrer von TXTBKS-Schülern berichten von einer größeren Teilnahme am Unterricht und das philippinische Unterrichtsministerium untersucht gerade die Ausweitung des Programms auf das ganze Land.

2014 startete das südafrikanische Unterrichtsministerium ein davon inspiriertes Pilotprogramm namens STRYBKS. Was man wohl mit den 777.000 Tonnen Elektroschrott anstellen könnte, die jährlichen in Deutschland weggeworfenen werden?

 

  • Philippinische Volksschüler müssen mehr als 22 Schulbücher über kilometerlange Strecken zu Fuß zur Schule schleppen. Das führt zu Haltungsschäden und Erschöpfungserscheinungen.
  • Der lokale Telekomanbieter Smart verbesserte das Leben von tausenden Schülern, indem er Schulbücher in einer Handyversion auf SIM-Cards übertrug, die man mit den weit verbreiteten analogen Telefonen lesen kann.
  • Das reduzierte das durchschnittliche Gewicht einer Schultasche um mehr als die Hälfte. Lehrer von TXTBKS-Schülern berichten von einer größeren Teilnahme am Unterricht. Jetzt arbeitet das philippinische Unterrichtsministerium an einem landesweiten Ausbau des Programms.
Umgelegte Schalter gegen Straftaten

Leuchtendes Beispiel

Wie ein Leuchtmittel-Hersteller mit seiner Kernkompetenz in zehn indischen Städten gegen Kriminalität kämpft.

Stellen Sie sich vor, Sie fahren abends nach Hause und in Ihrer Straße ist es stockfinster. Auch in den benachbarten Straßen Ihres Viertel ist es dunkel, weil es entweder keine Straßenbeleuchtung gibt oder sie nicht funktioniert. Was die meisten Europäer zutiefst beunruhigen würde, ist Alltag in großen Teilen von Delhi – und Nährboden zahlreicher Kriminalfälle von Raub, Diebstahl, Auto Entführungen bis zu Vergewaltigungen. Laut der lokalen Polizei werden in Indien täglich fünf Frauen vergewaltigt.

 

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Wie bekämpft man ein komplexes Problem?

Trotz der Verschärfung von Strafgesetzen durch die Regierung und verstärkten Polizeimaßnahmen bleiben 70% der Fälle ungeklärt. Dieser traurige Umstand rief auch viele Unternehmen und private Initiativen auf den Plan um mit mobilen Apps oder Notfalls-Hotlines dagegen zu kämpfen. Der indisch-japanische Leuchtmittelhersteller Halonix sieht sich den wissenschaftlich gut dokumentierten Zusammenhang, zwischen Dunkelheit und Kriminalität näher an und bringt mit seiner Kernkompetenz Licht ins Dunkel. 2014 startet Halonix eine Facebook Umfrage. Bürger von Dehli sollten Straßen nominieren, die bessere Beleuchtung benötigten. Neharika Awai Minocha sandte dieses Foto ein.

 

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Von der Umfrage zur Kampagne

Der Social Media Umfrage lässt Halonix eine Werbekampagne folgen, deren Plakate die Straßen der meistgenannten Plätzen beleuchten. Und zwar nicht nur in Dehli. Nach konstant gutem Feedback erweitert Halonix die Kampagne auf aktuell zehn Städte, von Mohali, Jalandhar, Kanpur, Mathura, Allahbad, Lucknow, Patna, Trivandrum bis Chennai. Wieder übernimmt ein privates Unternehmen die Aufgaben von überforderten Stadtverwaltungen. „Wir sehen uns als eine Marke, die sich verpflichtet fühlt, nicht nur davon zu sprechen sondern auch tatsächlich nachhaltige Arbeit zu leisten“, sagt Rakesh Zutshi, Managing Director von Halonix und bestätigt, die Kampagne auf noch zehn weitere Großstädte Indiens ausdehnen zu wollen.

 

 

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Kleiner Schritt in die richtige Richtung

Nach der Kampagne steigt die Markenbekanntheit von Halonix in Indien immens, von 20% auf 70%. Dazu kommen über 100.000 Facebook Engagements während der mehrmonatigen Kampagne, die insgesamt 6 Millionen Inder erreichen. Angesichts der 1,2 Milliarden Bewohner des Landes, wirkt das nach keinem durchschlagenden Erfolg. Die Finalplatzierung des Projekts „Safer City“ bei den Cannes Lions 2014 unterstreicht aber die Kraft der Idee. Zahlen zu einer veränderten Vergewaltigungs- oder Kriminalitätsrate an den beleuchteten Plätzen gibt es aktuell nicht. Ein besseres Gefühl auf die Straße zu gehen, geben die Leuchtplakate vermutlich schon.

 

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  • Die fehlende Straßenbeleuchtung in indischen Städten ist ein Nährboden zahlreicher Kriminalfälle von Raub, Diebstahl bis zu Vergewaltigungen.
  • Der indisch-japanische Leuchtmittelhersteller Halonix nahm sich diesen Umstand zum Anlass, um mit einer Kampagne in Form von Leuchtplakaten das Problem zu bekämpfen.
  • Nach gutem Feedback der Bevölkerung erweitert Halonix die Kampagne auf zehn Städte von Dehli, Mohali, Jalandhar, Kanpur, Mathura, Allahbad, Lucknow, Patna, Trivandrum bis Chennai und plant eine Erweiterung auf zehn weitere indischen Städte.
  • Im Zuge der Kampagne steigt die Markenbekanntheit von Halonix in Indien von 20% auf 70%.
Schlaue Stäbchen gegen Schadstoffe

Essstäbchen, die smarter sind als du

Der chinesische Suchmaschinenanbieter Baidu hat Essstäbchen entwickelt, die Benutzer vor Schadstoffen im Essen warnen sollen.

Alles begann mit einem Aprilscherz. Am ersten April 2014 verkündete das chinesische Web Services Unternehmen Baidu die Entwicklung eines neuen Produktes: Smarte Essstäbchen, die mit Hilfe von Sensoren rechtzeitig erkennen, ob Schadstoffe im Essen sind. Die in der Vergangenheit von Lebensmittelskandalen geplagte chinesische Bevölkerung reagierte geradezu euphorisch. Das Video, das die Essstäbchen ankündigen sollte, wurde bereits in den ersten vier Stunden 2,7 Millionen mal gesehen. Insgesamt 100 Millionen User Kommentare zeigen Baidu deutlich, dass sie einen Nerv getroffen hatten.

Aus dem Aprilscherz wird Ernst

Baidu entschloss sich daraufhin die als Scherz gedachten Stäbchen wirklich auf den Markt zu bringen. Binnen weniger Monate entwickelte das Unternehmen das Produkt „Baidu Kuaisou“, die Stäbchen, die erkennen können, ob Speiseöl bereits mehrmals verwendet wurde oder frisch ist. „Baidu Kuaisou“ kann also nicht jedes schädliche Essen erkennen, wie im Hoax Video beschrieben. Doch gerade in China werden sehr viele Speisen mit Öl frittiert, weshalb auch die Gefahr, dass altes Speiseöl verwendet wird, groß ist.

Wie die Stäbchen funktionieren

Doch wie erkennen die schlauen Stäbchen, welches Öl in einem Restaurant zum Kochen verwendet wird? Sensoren an der Spitze der Essstäbchen nehmen Informationen über das Speiseöl auf. Am Ende der Stäbchen leuchtet ein Licht, das zeigt, ob das Essen ohne Bedenken gegessen werden kann. Daten, wie die Frische des Öls, der PH Wert, die Temperatur und die Kalorienwerte, werden von den Stäbchen an eine App am Smartphone gesendet. Dort kann man alle Daten über das Essen abrufen.

 

Neben Privatpersonen interessieren sich auch Restaurants und chinesische Regierungsbehörden für die Innovation. Doch vorerst wird der Prototyp der Stäbchen weiterentwickelt, um sie zu einem erschwinglichen Preis auf den Markt bringen zu können. Ob und wann das der Fall sein wird, bleibt offen. Die chinesischen Konsumenten würden es sich jedenfalls wünschen.

 
  • „Baidu Kuaiso“ sind Essstäbchen, die über Sensoren erkennen, ob beim Kochen der Speisen schlechtes Öl verwendet wurde
  • Sie wurden der chinesischen Öffentlichkeit als Aprilscherz vorgestellt und aufgrund der großen Nachfrage tatsächlich gebaut
  • Der Prototyp wird weiterentwickelt, um bald in Produktion gehen zu können
Das Mützchen zwischendurch

Nächste Ausfahrt: Siesta

Wie lässt man potenzielle Kunden in einem möglichst natürlichen Bedarfsfall die Vorteile seines Produkts erfahren? IKEA hatte da eine Idee.

Eine mächtige Autolawine wälzt sich im Schritttempo über den glimmernden Asphalt der A6 zwischen Paris und Lyon. Der Beginn der französischen Schulferien löst eine Völkerwanderung aus, die sich per Satellit auch vom Mond aus beobachten ließe. Der Norden Frankreichs rollt an die Küste in den Süden. Väter fluchen, Mütter versuchen sie davon abzuhalten, Kinder müssen alle 30 Minuten aufs WC.

Monate davor stehen Stéphanie Jourdan, Kommunikations-Manager bei IKEA Frankreich   und ihr Team vor einer Herausforderung. Die aktuelle Betten und Matratzenkollektion ihres Arbeitgebers will auf eine ungewöhnliche Art Kunden näher gebracht werden. Sie fragt sich: „Wie könnten wir unseren Kunden mit unseren Betten nützen?“ Sie darauf schlafen zu lassen, liegt nahe. Das kostet aber viele Testmatratzen. Die Antwort rollt nicht weit von IKEA Djion, an der meistbefahrendsten Autobahn Europas vorbei.

Einer der Hauptgründe für tödliche Unfälle auf Autobahnen ist der Sekundenschlaf am Steuer. Laut der französischen Polizei passieren deswegen 33% der tödlichen Unfälle. Experten raten dringend, sofort einen Rastplatz anzusteuern um sich zu erholen. Gar nicht so leicht, sitzen etwa Kinder am Rücksitz. Doch genau dieses Problem verhalf Stéphanie Jourdan zur Lösung.

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Halten Sie Ausschau nach diesem Schild

Mit einem temporären Hotel auf der Raststätte Beaune-Tailly hilft IKEA 2011, ermüdeten Autofahrern sich zu erholen. In 28 Zimmern auf zwei Stöcken mit je einem Bett, Teppich, Nachttisch und Spiegel. Reisende können sich darin kostenlos für 20 Minuten erholen. Das ist die wissenschaftlich erwiesene sinnvollste Siesta-Zeit. Währenddessen erholen sich Herz und Hirn optimal, ohne in zu tiefe Schlafphasen zu sinken. Kinder werden von 1o:00 bis 20:00 von ausgebildeten Erziehern betreut.

„Die Gäste, die bei uns einchecken, haben genug von der Autobahn. Sie sind froh, wenn sie sich hier erholen können“, sagt Stéphanie Jourdan. Nach der Siesta verbinden sie ein gutes Gefühl mit dem Bett. Das eingerahmte Preisschild bleibt nicht unbemerkt. Im hoteleigenen Betten-Showroom können sie noch andere Modelle testen.

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Was bleibt?

Auch wenn die erwartete Zahl an Gästen unter 10.000 blieb, kann sich IKEA über eine gelungene Aktion freuen. „Das Feedback der Gäste war sehr gut. Sie sehen es als wirkliche Hilfestellung. Die Menschen haben aber auch Zeit gebraucht, sich an die Idee des temporären Hotels zu gewöhnen“, sagt Stéphanie Jourdan.  Am Ende der Aktion wurden alle verwendeten Möbeln an die Obdachlosen-Organisation Les Toits du Coeur (http://www.restosducoeur.org/content/logement )in Djion gespendet. Das beinhaltete neben 28 Betten, über 5000 Bettwäsche–Sets.

 

  • Einer der Hauptgründe für tödliche Unfälle auf Autobahnen ist der Sekundenschlaf am Steuer.
  • Mit einem temporären Hotel auf an der meistbefahrendsten Autobahn Europas hilft IKEA 2011 ermüdeten Autofahrern sich zu erholen und gleichzeitig potenziellen Kunden ihre Produkte erfahren zu lassen.
  • Innerhalb von drei Wochen nutzen zahlreiche Autofahrer das Angebot. Am Ende werden die verwendeten Möbel einer Hilfsorganisation gespendet.