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UBX Konferenz 2018

Wenn Marken Menschen befähigen

"Zeigen wie es besser geht" - das Motto am Nachmittag der UBX Konferenz. Dafür rückten Best Cases aus aller Welt in den Mittelpunkt. Sie zeigen, wie nützliche Markenerlebnisse in der Praxis aussehen können. Ein Erfolgsansatz: Lösungen kreieren, die Menschen befähigen.

Fahrschule 2.0 – Analoge Lernprozesse digitalisiert

 

Michelle Martinis, Executive Manager AAMI Brand and Marketing

Michelle Martinis, Executive Manager bei AAMI präsentierte eine eindrucksvolle Marketing-Kampagne. Die australische Versicherungsgesellschaft hat eine App entwickelt, die Fahrschüler beim gesamten Prozess des Lizenzerwerbs unterstützt. In Australien ist es nämlich Pflicht, ein Fahrtenbuch („Logbuch“) zu führen. Aber welcher Fahrschüler – meist im jugendlichen Alter – hat schon Lust dazu, jeden gefahrenen Kilometer händisch zu notieren? Genau das haben sich Michelle Martinis und ihre Kollegen zunutze gemacht.

Ihre Smart Plates App dokumentiert automatisch jeden gefahrenen Kilometer und überträgt das analoge Fahrtenbuch ins digitale Zeitalter. Damit nimmt die App den Fahrschülern einen großen Teil des administrativen Aufwands ab.

Aber die App kann noch viel mehr. Sie sorgt für mehr Sicherheit auf der Straße. Ein Feature beispielsweise sorgt dafür, dass eingehende Anrufe auf das Smartphone des Fahrschülers direkt abgeblockt werden. Der Anrufer bekommt dann eine kurze Info à la: „Ich fahre gerade Auto, melde mich später“, zurückgeschickt.  Auch einen „Battle-Mode“ bietet AAMIs Smart Plates App. Hier können sich die Fahranfänger gegenseitig messen – der beste Fahrstil gewinnt. Im Battle-Mode ist also nicht der Schnellste der Sieger, sondern derjenige mit dem sichersten Fahrstil.

Nach Erscheinen wurde massenhaft über die App berichtet. Dabei hat sich der Nutzen schnell rumgesprochen. Mittlerweile nutzen 25 Prozent aller Fahrschüler in Australien die App.

Was AAMI erreicht hat? Fahrschüler werden schon vor Lizenzerwerb an die Marke AAMI gebunden. Wenn der Führerschein dann in der Tasche ist, soll im besten Fall gar nicht mehr darüber nachgedacht werden, wo die Versicherung für das erste eigene Auto abgeschlossen wird.

Inklusion dank intelligenter Technologien

 

Jürgen Wirtgen, Microsoft Deutschland

Jürgen Wirtgen, Data und AI Lead bei Microsoft zeigte bei der UBX, wie künstliche Intelligenz für Inklusion sorgen kann. „Empowering people with disabilities with tools that support independence, inclusion, and productivity.“ – Das hat sich Microsoft zur Aufgabe gemacht. Wichtigstes Instrument dafür ist die künstliche Intelligenz.  Er stellt eine der ersten Entwicklungen vor: Die Seeing AI App.

Sehbehinderte sind bislang auf Blindenstöcke oder -hunde, Freunde und Verwandte sowie ihre ausgeprägten Sinne angewiesen. Oftmals haben sie Probleme im Alltag, werden aufgrund ihrer Behinderung diskriminiert oder können ihren Job nicht (mehr) ausführen. Auch der Zugang zu technischen Entwicklungen war lange Zeit ein Privileg für Menschen, die sehen können. Microsoft hat mittels intelligenter Technologien ein technisches Werkzeug erschaffen, das Blinden dabei hilft, sich in der eigenen Umgebung besser zurechtzufinden.

Der Nutzer der Seeing AI App schießt ein Foto von seiner Umgebung und wählt einen der neun Modi aus (der Nutzer bekommt per Sprachsteuerung gesagt, auf welchem Modus er sich aktuell befindet). Soll zum Beispiel die Menükarte vorgelesen werden, wählt er den Dokumentenmodus aus. Bei Personenerkennung den Personenmodus und so weiter. Die App startet dann die Bilderkennung. Ob ein Tisch, ein Mensch, Bargeld oder Text – die App erkennt es und wandelt das gespeicherte Bild in Sprache um. Der Algorithmus in der App beschreibt dem Nutzer seine Umgebung in nur einem Satz. Mit der Seeing AI App von Microsoft werden Barrieren für Menschen mit Behinderung überwunden und neue Möglichkeiten geschaffen. „Tuning the visual world into an audible experience“, so beschreibt es Jürgen Wirtgen auf der UBX18.

Microsoft schafft mit sinnvollen Entwicklungen einen wertvollen Mehrwert für den Nutzer. Die Marke rückt soziales Engagement in den Vordergrund und schafft damit Gutes. „A world in which every person on the planet is empowered to achieve more, regardless of how they communicate, see, hear or move.“, das ist die Vision, die die Marke Microsoft nach außen trägt. Soziales Engagement als Marketing-Strategie: Eben Werbung, die nicht nervt.

Man muss sie nur gießen

Die Pflanzenlampe

Seit vier Jahren steigt die Zahl der Einschreibung an der technischen Universität von Lima, UTEC. Dahinter stecken useful brand experiences, bei denen sie Grundversorgungsprobleme ihrer Landsleute kostenfrei löst. Ihr jüngster Coup im peruanischen Regenwald ist spektakulär.

Nuevo Saposoa ist ein abgelegenes Dorf im peruanischen Regenwald. Es liegt so abgelegen, dass man nach der Landung am Flughafen von Pucallpa noch zwei Tage einen Fluss hinunter schippern muss bis man – idealerweise von den Flusspiraten verschont – in Nuevo Saposoa landet. Wenn hier mal der Strom ausfällt, wie im März 2015 nach einer massiven Flut, bleibt nur noch die Kerosinlampe. Mütter füttern ihre Kinder im Licht des qualmenden Kerosin, Schüler quälen ihre Augen bei den Hausaufgaben.

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Nicht besonders gesund, aber nichts Neues für Nuevo Saposoa. 42% der ländlichen Bevölkerung im peruanischen Regenwald hat überhaupt keine Elektrizität. „Ohne Elektrizität leidet das Sozial-, Bildungs- oder Familienleben der Menschen enorm“, sagt Jessica Ruas Quartara. Die Marketing Direktorin der UTEC hat bei der UBX-Konferenz ein Werbeplakat vorgestellt, das täglich 96 Liter Trinkwasser kondensiert. Das neue Projekt mutet noch spektakulärer an.

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Das Problem als Teil der Lösung

Diesmal arbeitet ein neunköpfiges Forscherteam monatelang an der Frage: Wie kann man Nuevo Saposoa nachhaltig mit Licht versorgen? So schwierige Bedingungen der Regenwald schafft, ist er auch Teil der Lösung. Im August 2015 besteigen Prof. Elmer Ramirez und acht Studenten der UTEC ein Flussboot nach Nuevo Saposoa. Mit dabei haben sie zehn Holzkästen, aus denen jeweils eine Pflanze und eine LED-Lampe ragt.

Nimm das Vorhandene

„Wir können auf vielerlei Arten Energie aus der Erde gewinnen“, sagt Prof. Ramirez. Basierend auf Forschungsprinzipien von Wissenschaftlern aus aller Welt, gelingt es ihnen eine Reihe von Prototypen zu entwickeln, die durch saubere Energie leuchten. „Wir haben uns gefragt, was wir an lokal vorhandenen Ressourcen nutzen können und so sind wir zu einer Lösung gekommen: Sie lautet Pflanzen und Erde.“

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Geht das wirklich?

Die Lösung fußt auf der Galvanischen Zelle. Ein Prinzip, das viele Schüler aus dem Physik-Unterricht besser unter „Strom mit Kartoffeln fließen lassen“ kennen. Dabei bilden der Kartoffelsaft (Elektrolyt), Nägel und Münzen (Elektroden) eine Zelle, wo chemische in elektrische Energie umgewandelt wird. Eine moderne 1.5V Batterie ist nichts anderes als eine galvanische Zelle. Die Säure der Pflanze wirkt dabei wie ein „Treibstoff“, kann als Strom in herkömmlichen Batterien gespeichert werden und eben die LED Lampe der UTEC –Prototypen für etwa zwei Stunden speisen. Man muss sie nur gießen.

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Zwei Stunden mehr Leben

Als die Forscher in Nuevo Saposoa ankommen, zeigen sich die Bewohner skeptisch: „Pflanzen sollen uns Licht geben?“, fragt Dorfbewohner Tomás. Eine Woche gibt sich das Team der UTEC Zeit um die Bewohner einzuschulen und ihnen zu zeigen, wie sich potenzielle Probleme lösen lassen. Dann teilen sie zehn Prototypen der Pflanzenlampen auf die Familien auf und reisen ab. Sie sehen Schüler bei ihren Hausaufgaben, nähende Frauen, kartenspielende Männer, kurz beglückte Dorfbewohner, die nun auch nach Sonnenuntergang ihre Zeit nutzen können, ohne den Kerosinrauch einatmen zu müssen.

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„Wir sind uns sicher, dass die Lampen das Leben der Dorfbewohner deutlich verbessert haben“, sagt Jessica Ruas, „mit den Lampen können sie wieder länger Handel treiben und Produkte erstellen und verkaufen.“ Der nächste Schritt der Kampagne ist Geld zu sammeln um die nächsten 100 Prototypen produzieren zu können.

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Was die Kampagne sonst gebracht hat

„UTEC versucht nicht die Welt zu retten“, sagt Humberto Polar, CEO der betreuenden Werbeagentur FCB Mayo, „sondern Studenten für sich zu gewinnen.“ Seit Gründung der privaten Universität vor vier Jahren stieg die Zahl der Inskripienten deutlich. Im Jahr nach dem Trinkplakat um 28%. Dazu konnte UTEC Partnerschaften mit ein paar der wichtigsten Universitäten der USA schließen. Die Techniker der UTEC können nun Austauschsemester auf dem M.I.T. oder Harvard absolvieren. Ohne die UBX-Projekte der Universität wäre das nicht möglich.

 

Neues Leben für alte Handys

Haltungsschäden digital kurieren

Schulbücher sind teuer, schwer und führen in überfüllten Rucksäcken zu Haltungsschäden. Die philippinische Aktion TXTBKS löst das Problem, ohne dass Eltern teure Tablets kaufen müssen.

Philippinische Volkschulkinder müssen mehr als 22 Schulbücher über kilometerlange Strecken zu Fuß zur Schule schleppen. Der öffentliche Verkehr abseits der Hauptstadt ist dazu schlecht ausgebaut, die Wege sind unzureichend erschlossen. Laut staatlichen Stellen schädigt die unnötige Rückenlast nicht nur die Haltung philippinischer Volksschüler, es erschöpft sie schon vor der Schule.

SIM Karten statt Schulbücher

In westlichen Ländern werden Schulbücher zusehends durch leichte Tablets ersetzt. Das können sich die meisten philippinischen Eltern jedoch nicht leisten. Der lokale Telekomanbieter Smart Communications bietet eine Lösung an, die ihrem Firmennamen gerecht wird: Tablets mögen für den Durchschnitt unerschwinglich sein. Analoge Mobiltelefone besitzen jedoch die meisten Familien bzw. gibt es große Sammlungen an ausrangierten, aber funktionstüchtigen Handys. Das weiß Smart zu nutzen. Sie produzieren kostenlos SIM-Karten, auf denen die gesamten Inhalte der Schulbücher in Lernprogrammen aufbereitet waren.

Wie die Bücher digital übersetzt werden

In allen Landesteilen gratis verteilt, werden alte Mobiltelefone mit diesen SIM-Karten bestückt und in intelligente e-Reader für Schulkinder verwandelt. Smart beauftragte dazu Schulbuch Autoren die Übungen in 160 Zeichen Versionen zu übersetzen. Sie ersetzen im Unterricht und zu Hause die gedruckten, aber nicht neu bespielbaren Unterrichtsmittel. So werden beispielsweise interaktive Übungen zum Englischunterricht vollständig mit Mobiltelefonen ermöglicht, etwa durch Multiple-Choice-Test, wie man auf dem Foto sehen kann.

 

Was die Aktion bewirkt

Über 95% der Schüler der teilnehmenden Partnerschulen benutzen heutzutage diese intelligente Wiederverwertung von ausrangierten Telefonen. Das reduzierte das durchschnittliche Gewicht einer Schultasche um mehr als die Hälfte. Lehrer von TXTBKS-Schülern berichten von einer größeren Teilnahme am Unterricht und das philippinische Unterrichtsministerium untersucht gerade die Ausweitung des Programms auf das ganze Land.

2014 startete das südafrikanische Unterrichtsministerium ein davon inspiriertes Pilotprogramm namens STRYBKS. Was man wohl mit den 777.000 Tonnen Elektroschrott anstellen könnte, die jährlichen in Deutschland weggeworfenen werden?

 

  • Philippinische Volksschüler müssen mehr als 22 Schulbücher über kilometerlange Strecken zu Fuß zur Schule schleppen. Das führt zu Haltungsschäden und Erschöpfungserscheinungen.
  • Der lokale Telekomanbieter Smart verbesserte das Leben von tausenden Schülern, indem er Schulbücher in einer Handyversion auf SIM-Cards übertrug, die man mit den weit verbreiteten analogen Telefonen lesen kann.
  • Das reduzierte das durchschnittliche Gewicht einer Schultasche um mehr als die Hälfte. Lehrer von TXTBKS-Schülern berichten von einer größeren Teilnahme am Unterricht. Jetzt arbeitet das philippinische Unterrichtsministerium an einem landesweiten Ausbau des Programms.
Das Mützchen zwischendurch

Nächste Ausfahrt: Siesta

Wie lässt man potenzielle Kunden in einem möglichst natürlichen Bedarfsfall die Vorteile seines Produkts erfahren? IKEA hatte da eine Idee.

Eine mächtige Autolawine wälzt sich im Schritttempo über den glimmernden Asphalt der A6 zwischen Paris und Lyon. Der Beginn der französischen Schulferien löst eine Völkerwanderung aus, die sich per Satellit auch vom Mond aus beobachten ließe. Der Norden Frankreichs rollt an die Küste in den Süden. Väter fluchen, Mütter versuchen sie davon abzuhalten, Kinder müssen alle 30 Minuten aufs WC.

Monate davor stehen Stéphanie Jourdan, Kommunikations-Manager bei IKEA Frankreich   und ihr Team vor einer Herausforderung. Die aktuelle Betten und Matratzenkollektion ihres Arbeitgebers will auf eine ungewöhnliche Art Kunden näher gebracht werden. Sie fragt sich: „Wie könnten wir unseren Kunden mit unseren Betten nützen?“ Sie darauf schlafen zu lassen, liegt nahe. Das kostet aber viele Testmatratzen. Die Antwort rollt nicht weit von IKEA Djion, an der meistbefahrendsten Autobahn Europas vorbei.

Einer der Hauptgründe für tödliche Unfälle auf Autobahnen ist der Sekundenschlaf am Steuer. Laut der französischen Polizei passieren deswegen 33% der tödlichen Unfälle. Experten raten dringend, sofort einen Rastplatz anzusteuern um sich zu erholen. Gar nicht so leicht, sitzen etwa Kinder am Rücksitz. Doch genau dieses Problem verhalf Stéphanie Jourdan zur Lösung.

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Halten Sie Ausschau nach diesem Schild

Mit einem temporären Hotel auf der Raststätte Beaune-Tailly hilft IKEA 2011, ermüdeten Autofahrern sich zu erholen. In 28 Zimmern auf zwei Stöcken mit je einem Bett, Teppich, Nachttisch und Spiegel. Reisende können sich darin kostenlos für 20 Minuten erholen. Das ist die wissenschaftlich erwiesene sinnvollste Siesta-Zeit. Währenddessen erholen sich Herz und Hirn optimal, ohne in zu tiefe Schlafphasen zu sinken. Kinder werden von 1o:00 bis 20:00 von ausgebildeten Erziehern betreut.

„Die Gäste, die bei uns einchecken, haben genug von der Autobahn. Sie sind froh, wenn sie sich hier erholen können“, sagt Stéphanie Jourdan. Nach der Siesta verbinden sie ein gutes Gefühl mit dem Bett. Das eingerahmte Preisschild bleibt nicht unbemerkt. Im hoteleigenen Betten-Showroom können sie noch andere Modelle testen.

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Was bleibt?

Auch wenn die erwartete Zahl an Gästen unter 10.000 blieb, kann sich IKEA über eine gelungene Aktion freuen. „Das Feedback der Gäste war sehr gut. Sie sehen es als wirkliche Hilfestellung. Die Menschen haben aber auch Zeit gebraucht, sich an die Idee des temporären Hotels zu gewöhnen“, sagt Stéphanie Jourdan.  Am Ende der Aktion wurden alle verwendeten Möbeln an die Obdachlosen-Organisation Les Toits du Coeur (http://www.restosducoeur.org/content/logement )in Djion gespendet. Das beinhaltete neben 28 Betten, über 5000 Bettwäsche–Sets.

 

  • Einer der Hauptgründe für tödliche Unfälle auf Autobahnen ist der Sekundenschlaf am Steuer.
  • Mit einem temporären Hotel auf an der meistbefahrendsten Autobahn Europas hilft IKEA 2011 ermüdeten Autofahrern sich zu erholen und gleichzeitig potenziellen Kunden ihre Produkte erfahren zu lassen.
  • Innerhalb von drei Wochen nutzen zahlreiche Autofahrer das Angebot. Am Ende werden die verwendeten Möbel einer Hilfsorganisation gespendet.