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Eine App als Schutzengel

Always sicher nach Hause

Pfeffer Spray in der Handtasche, lauthals „Lemon Tree“ auf der Straße singen oder doch den gesamten Heimweg laufen? Was gibt uns ein sicheres Gefühl, wenn wir alleine nach Hause gehen?

Richtig sicher fühle ich mich durch Apps nicht, wenn ringsum Büsche rascheln, die Laternen ausgefallen sind, ich alleine im U-Bahnwagen sitze oder sich hinter jeder Ecke ein potentieller Platz für finstere Gestalten befindet. Das sind nur einige von vielen Situationen die täglich passieren, wenn sich weltweit drei Milliarden Frauen auf den Weg nach Hause machen. Nicht alle haben ein unsicheres Gefühl beim Heimkehren, doch ich persönlich zähle dazu. Mama um halb 3 Uhr Morgens mit einem Anruf zu wecken, geht leider auch nicht immer. Dann muss eben das Pfefferspray herhalten, damit sich ein Sicherheitsgefühl einstellt.

Nichts verschafft mir aber ein sichereres Gefühl, als eine Person, die mich abends bis vor die Haustüre begleitet! Genau hier knüpft die Marke Always mit der Back Me-App an, die als Schutzengel auf dem Heimweg dient.

Always in guten Händen. So funktioniert es

Mit der Back Me-App kann man sich von Freunden und Familie via GPS virtuell nach Hause begleiten lassen. Die Strecke wird auf der App festgelegt – so können die virtuellen Begleiter den Weg nach Hause mitverfolgen, und im Notfall schnell reagieren. Denn sobald man plötzlich von der angegeben Strecke abkommt, oder länger als 2 Minuten am Weg anhält, bekommt die Kontaktperson eine Warnung zugesendet. Wenn man schließlich gut zu Hause angekommen ist, werden die digitalen Schutzengel automatisch informiert.

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Was das mit dem Markenversprechen zu tun hat? Wenn man es gut meint, könnte man sagen: die Marke, die für Schutz während der Periode steht, hat beschlossen die Regeln des „Frauenschutzes“ neu zu schreiben. Doch was passiert wenn man auf der Strecke einen Freund trifft und länger als diese besagten 2 Minuten mit ihm redet? Schlägt die App dann Alarm und der Aufpasser am anderen Smartphone fällt unnötig vor Schreck in Ohnmacht? Nichts desto trotz, mein Alltagsproblem scheinen auch andere zu haben: Denn nachdem die App 2015 erstmals in Israel veröffentlicht wurde, war sie nach 3 Monaten in aller Munde und wurde 1,8 Mio. Mal runtergeladen. 3.000 Nutzer täglich, sprechen für die Nützlichkeit dieser Anwendung.

always3BackMeApp als Vorreiter?

Während die Back Me-App von Always bereits 2014 in Cannes Silber gewann, startete die Companion App 2015 mit der exakt gleichen Idee und Video Kampagne durch. Ursprünglich war seitens Always zu lesen, man plane einen Rollout auch in andere Länder – dazu kam es anscheinend nie. Companion hingegen hat auf diese Weise den Aufschwung in die App Märkte geschafft und knackte im Januar die 1.000.000 User! Und auch in Deutschland werden seit 2015 sehr erfolgreich Menschen durch die KommGutHeim App virtuell nach Hause begleitet.

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Always hat mit der Back Me-App erfolgreich geschafft, ein valides Alltagsproblem vieler Frauen auf der ganzen Welt aufzugreifen. Im Anschluss wurde jedoch verpasst, das Projekt auch in anderen Ländern anzubieten, bevor andere auf den Zug aufspringen. Mit der Lösung aber Stein des Anstoßes einer nützlichen Umsetzung zu sein – das kann sich die Marke auf die Fahnen schrieben.

Zu guter Letzt bleibt für mich persönlich die Frage, ob eine App es wirklich schafft mich sicherer zu fühlen. Zumindest habe ich bisher keine der Lösungen auf dem Markt heruntergeladen, geschweige denn eingesetzt. Wahrscheinlich werde weiterhin um 4 Uhr Morgens die Nachbarschaft mit meinem ohrenbetäubenden „Lemon Tree“-Gesang aufwecken…

  • Weltweit bestreiten täglich 3 Milliarden Frauen oft ängstlich und alleine ihren Weg nach Hause.
  • Always, die Marke die für Schutz während der Periode steht, hat beschlossen, die Regeln des „Frauenschutzes“ neu zu schreiben und hat eine App entwickelt, um sich von Freunden/Familie etc. via GPS virtuell nach Hause begleiten zu lassen. Der Heimweg wird auf der App festgelegt und dann können die virtuellen „Schutzengel“ den Weg nach Hause mitverfolgen, und im Notfall schnell reagieren und Hilfe rufen.
  • Die BackMeApp wurde 2015 das erste Mal in Israel zur Verfügung gestellt. Nach nur 3 Monaten hatte die App bereits mehr als 1,8 Millionen Downloads und rund 3.000 Nutzer täglich, und das nur in Israel(!)
Löst wirklich jedes Problem

Die Lifehack-Experten

Seit 70 Jahren hilft Lowe's Amerikanern ihr Zuhause zu verschönern. Egal ob Kleinstwohnung in Manhattan oder Ranch in Montana - Heimwerken geht immer. Seit 2013 gibt Lowe's mit großem Erfolg Tips für Jedermann auf Vine. Neudeutsch nennt man das dann "Lifehacks".

Wer kennt das nicht: Man will eine Schraube entfernen und der Schraubenzieher dreht durch. Die Schraube sitzt fest. Da kann man nichts machen? Doch kann man. Lowe’s #fixinsix Vine löst dieses Problem mit einem haushaltsüblichen Gummiband.

Seit 2013 sind 115 nützliche Vines entstanden, die mittlerweile fast 65.000.000 views erreicht haben. Das Erfolgsrezept? Die 6 Sekünder verbinden Nützlichkeit mit Entertainment. Die Videos sind nicht einfach nur Tipps, sondern in sich selbst kleine Kunstwerke. Zum Beispiel das Video zum Abdichten der Badewanne inszeniert den Lifehack mit einem eigenen kleinen Wasserballett. Das macht einfach Spaß beim Zuschauen.

Vine als Plattform zu nutzen war 2013 ein logischer Schritt. Der Hype für die Kurzvideo-Plattform war groß. Und 6 Sekunden sind die richtige Länge für ein Erklärvideo. Die unglaubliche Anzahl an Views für diese 115 Videos zeigt das deutlich. Lowe’s hat das richtige Medium und die richtige Plattform gefunden, um möglichst viele Lifehacker und DIY-Fans zu erreichen.

Dieses Gesamtpaket aus Nützlichkeit und Entertainment in 6 Sekunden passt wunderbar zur Marke. „Never stop improving“ ist Lowe’s Markenkern. Das gilt für alles im Haushalt: vom Bauprojekt bis zur Dekoration. Aus diesem Grund bildet die #fixinsix Kampagne das ganze Spektrum ab. Die Lichterkette für den Weihnachtsbaum ist wieder ein einziger Knoten? Kein Problem für Lowe’s. Erosion im Blumenkübel? Schnell gelöst mit einem Kaffeefilter. So macht Lowe’s klar: Wir lösen jedes Haushaltsproblem mit Erfindergeist und Spaß. Besser kann sich eine solche Marke über Nützlichkeit nicht positionieren. Bravo!

Wie die Videos genau entstehen wird übrigens hier von der beteiligten Agentur sehr schön erklärt:

VR gegen Logo- & Akrophobie

Angst virtuell verringern

Einer von fünf Menschen leidet unter Sprechangst, einer von vier unter Höhenangst. Samsung hat dafür VR-Anwendungen entwickelt, die erstaunliche Erfolgsquoten verspricht.

Allein der Gedanke an Höhe oder an Sprechen vor Publikum reicht aus, um Betroffene in Panik zu versetzen und komplett zu blockieren. Sich in einem derartigen emotionalen Ausnahmezustand auf eine Aussichtsplattform oder Rednerbühne stellen zu müssen – der blanke Horror! Samsungs App #BeFearless eröffnet die Möglichkeit, sich daheim in seinen vier Wänden in seinem eigenen Tempo an eine kritische Situation heranzutasten.

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Aleksandra, die 26-jährige Probandin aus Russland arbeitet mit der VR-Anwendung in ihrem Wohnzimmer an ihrer Höhenangst

Getreu der Brand Vision entwickelt Samsung seine innovative Technologie entlang der Leben der Menschen. Mit der Jahreskampagne 2015 namens „Launching People“ zielt sie vor allem auf „Träume und Potentiale“ ab, die mit der VR-Technologie möglich gemacht werden sollen. Dafür wählte Samsung unter hunderten Bewerbern sechs aus, die von Experten entwickelte App zu testen.

Beim virtuellen Training in 360°-Videos können Logophobiker sich mittels der Samsung Gear VR-Brille in Interview- und Vortragssituationen begeben, ohne Blackouts und Negativreaktionen fürchten zu müssen. Der erste Level erleichtert den Einstieg mit einem zwanglosen Gespräch. Ziel ist der Vortrag vor großer Gruppe. Die pflegeleichte simulierte Zuhörerschaft hilft Nervosität abzubauen, wie Kandidatin Franzi es im Video beschreibt: „Das Trainieren hat mir sehr weitergeholfen. Es ist so viel Stress, der wegfällt (…) Plötzlich kriegt man eine positive Welle zurück, die einen so richtig mitreißt.“

Höhenangstgeplagte können sich in mehreren Stufen immer weiter nach oben wagen, ohne davon blockiert zu werden. Sie lernen, in die simulierte Tiefe zu schauen und dabei ihre Gefühle unter Kontrolle zu bringen. Proband Fynn, der sich vor dem Programm im täglichen Leben sehr eingeschränkt fühlte, bringt es auf den Punkt: „Es war wirklich ein Eintritt in eine andere Welt. Ich habe viel zu Hause trainiert… mit jedem Mal gibt es mir mehr Mut. Ich merke, dass ich mir immer mehr zutraue.“

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Und so kann es aussehen: Die VR-Brille misst den Herzschlag sowie die Zeitspanne, die sich der Proband getraut hat, nach unten zu sehen

Laut Studie, so der Hersteller, kann jede Angst mit regelmäßigem Training überwunden werden. 87.5% der Teilnehmer aus der Gruppe der Akrophobiker sollen ihre Ängste auf diese Weise deutlich reduziert haben, bei den Logophobikern waren es 88.1%. Der Videobeweis zeigt Testpersonen die die Konfrontation mit der schwierigen Situation strahlend und selbstbewusst meistern.

Samsung und UBX, Altruismus mit Einschränkungen

Mit dieser App will Samsung, nach eigener Aussage, Menschen helfen – und darüber hinaus das Potential von VR-Brillen jenseits des Gamingbereiches aufzeigen. Das virtuelle Training ist mittlerweile jedermann zugänglich, der eine Samsung Gear VR-Brille und ein Samsung Smartphone besitzt. Allerdings muss man sich auch tatsächlich beides zulegen, dafür wurde gesorgt. Erst nach der Kombination der beiden Geräte startet die kostenfreie App. Bei aller Hilfsbereitschaft bleiben die Verkaufszahlen im Hinterkopf.

Und was steht als nächstes auf der virtuellen Agenda?

Experiment geglückt, App effektiv, Tester im Besitz von Samsung-Equipment überzeugt. Vielleicht wird das Repertoire nach dem Erfolg ja erweitert, damit auch etwas exotischere Phobien wie Anatidaephobie (die Angst, von einer Ente beobachtet zu werden) oder Arachibutyrophobie (die Angst, dass Erdnussbutter am Gaumen kleben bleibt) angegangen werden können. Tiefenentspannt bei Erdnussbutter und Enten. Es bleibt spannend, was neben Gaming und Angstbekämpfungstraining noch alles in Virtual Reality steckt.

 

  • Einer von fünf Menschen leidet unter Sprechangst, einer von vier unter Höhenangst.
  • 2015 startete Samsung eine Markenkampagne, in der einige Auserwählte die App „BeFearless“ testen durften: mit VR-Brille und Smartphone erhielten sie ein virtuelles Training zur Überwindung ihrer Ängste.
  • Seit 2016 ist dieses Programm der Öffentlichkeit zugänglich, laut Hersteller ist die Erfolgsquote sehr hoch. Samsung will Menschen helfen und das Potenzial von VR-Brillen aufzeigen, aber daneben auch die zugehörigen Produkte verkaufen, ohne die die App nicht funktioniert.
Ein Klick weiter

Dieser Banner spart Energie

Erwartet man nicht unbedingt von einem Banner, aber dieser Online-Banner von Wien Energie kann die Akkuleistung eines Smartphones verlängern.

 

Dringende Mails, wichtige Infos und weg ist der Akku. Wenig bringt Handy Nutzer mehr auf die Palme, als der versiegende Energiespeicher ihres wichtigsten Universalwerkzeugs, dem Smartphone. Als Österreichs größter Energieversorger stellt Wien Energie sicher, dass seinen Kunden die Energie nicht ausgeht. Auch nicht am Smartphone. Also überlegte sich Wien Energie eine Lösung dafür. Da man nicht immer die Akkuanzeige im Blick hat, wurde eine aufmerksamkeitsstärkere Lösung gesucht. Der Energiebedarf von Online-Bannern war da ein erster Ansatz. Denn üblicherweise werden Banner für die maximale Display-Helligkeit und volle Chip- sowie Akkuleistung eines Smartphones konzipiert. Der Schluss daraus war eine Display-Ad zu entwickeln, die Strom spart.

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Kann das funktionieren?

Der Schlüssel dieses Banners ist eine neue HTML5-Schnittstelle. Sie kann den Akkustand von mobilen Devices auslesen. „Die größte Herausforderung neben der technischen Umsetzung war die Einbindung bei den Online Portalen“, erklärt Alexandra Radl, Marketing Leiterin von Wien Energie. Nachdem die Partner sehen, dass es wie gewünscht funktioniert, sind sie begeistert. Der fertig entwickelte Banner geht auf den reichweitenstärksten, österreichischen Plattformen live.

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In den Sparmodus wechseln

Über die HTML5-Schnittstelle liest der Banner den Akkustand des mobilen Endgeräts aus und zeigt dem Nutzer automatisch den gesunkenen Stand der Batterie an. Über einen Klick am Banner drosselt der Nutzer die Hintergrund-Helligkeit des angezeigten Inhalts. Damit können Nutzer ihre Akkuleistung spürbar verlängern. Innerhalb des eingesetzten Zeitraums von zwei Wochen erreicht der Battery Banner 14,7% Nettoreichweite in der Zielgruppe und 787.000 Ad Impressions. „Die neue technische Möglichkeit, den Akku-Stand von Smartphones auszulesen, hat uns von Anfang an begeistert“, sagt Alexandra Radl, „Als Energieanbieter ist das genau unser Thema. Der Banner bringt Energieeffizienz auf sehr anschauliche Weise zum Ausdruck.“

  • Wie kann man Online-Bannern eine neue Funktion geben, fragt sich Wien Energie?
  • Virtual Identity entwickelt einen Banner, der die Akkuleistung von mobilen Devices verlängert und damit Energie spart
  • Das gelingt durch die Drosselung der Display-Helligkeit sowie der Chip- und Akkuleistung mittels einer neuen HTML5-Schnittstelle
Probieren geht über Konsumieren

Frisch gestrichen

Make-up Looks testen ohne die Haut unnötig zu reizen. Das können Konsumentinnen nun dank der kostenlosen App Genius von L’Oréal. Statt sich mehrfach zu schminken, zeigt die App das ausgewählte Make-up mittels Augmented Reality direkt im Gesicht der Testerin.

Na toll, schon wieder so eine Tussi-App. Als gäbe es nicht schon genug davon! Klar, kann man sich das angesichts von Genius denken. Allerdings nur solange bis man es geladen hat. Denn die 18 Monate Entwicklungszeit, die L’Oréal dieser App widmete, machen sich bezahlt. Genius ist ein präzises Augmented Reality Tool und funktioniert wie ein Handspiegel am Smartphone. Nur, dass Kundinnen unterschiedlichste Kosmetik in ihrem Gesicht austesten können. Ein paar Klicks und das ausgewählte Produkt ziert das Gesicht. Das feinmotorische Verhalten der 34 Gesichtsmuskeln wird so präzise angezeigt, wie die Grenzen der geschminkten Flächen. Nicht umsonst wurde die App über 20 Millionen Mal heruntergeladen.

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© L’Oreal

Es ist nicht das erste Mal, daß L’Oréal hochtechnische Lösungen entwickelt, um seine Kunden zu mehren. Der Kosmetikkonzern hat in PCH International den idealen Partner gefunden, was die Umsetzung der innovativen, da personalisierten Kundenanwendungen betrifft. L’Oréal hat sich zum erklärten Ziel gesetzt ein Angebot zu entwickeln, das individuell auf den Nutzer zugeschnitten ist. Aller Voraussicht nach wird dieser nämlich zunehmend anspruchsvoll oder resigniert mit seinen lang erprobten Produkten. Denn bei all dem Angebot an Kosmetika, ist die Auswahl geradezu frustrierend schwierig. Bislang gingen die meisten kosmetischen Neuerungen unbeachtet an der Zielgruppe vorbei. Waren der Großteil der Kundinnen doch Wiederholungstäterinnen, hatten sie erst einmal die Ware ihres Vertrauens gefunden.

Schminken ohne Hautreizung

Dank Genius können L’Oréal-Kundinnen nun Produkte der Kosmetikfirma virtuell ausprobieren. Gratis und unverbindlich  – die Hemmschwelle neue Produkte auszuprobieren ist somit viel geringer und viele Kundinnen kommen auf diese Weise ganz unverhofft zu einem neuen Look, den sie sonst gar nicht gewagt hätten. Sie ersparen sich damit nicht nur ins Kosmetikfachgeschäft zu gehen sondern auch das ungute Gefühl bei der Kinderschminkaktion gelandet zu sein, nachdem sie den fünften Lippenstift und die dritte Grundierung auf- und dann wieder abgetragen haben. Mit dem Smartphone eingescannt, landen Lippenstift und Lidschatten binnen Sekunden direkt auf ihrem digitalen Bestimmungsort. Und verschwinden auch genauso schnell wieder. Ohne die bislang unvermeidlichen Hautreizungen. L’Oréal freut sich über einen höheren Absatz seiner Markenneulinge; die Kundin über die unkomplizierte Wahl des neuen Lieblings-Make Ups.

 L’Oréal kills the Youtube-Star

Bei den Abermillionen Make-up-Tutorials auf Youtube stellt sich dennoch die Frage: Braucht es das denn? Der Markt ist überflutet mit Make-up-Apps, Make-up-Tutorials, on- und offline Schminkkursen all der Boris Entrups dieser Zeit. Mit Grausen denken wir an die Schminkprogramme der 90er zurück. Sie kamen auf Diskette daher und ließen uns aussehen, als hätten wir Homer Simpsons Schmink-Pumpgun geladen. Oder all die verlorene Lebenszeit bei den How-to-do-Smokie-Eyes-Workshops auf Youtube. Genuis überzeugt mit einer einfachen Handhabung und klaren Ergebnissen. Die App erkennt selbst die kleinste Bewegung der Mimik und lässt sein aufgehübschtes Nutzer-Spiegelbild verblüffend natürlich vom Display lächeln.

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© L’Oreal

Testen statt kaufen

Das Schönste an der App: sie spart uns Zeit und bares Geld. Sie erleichtert unseren Alltag indem sie zahlreiche Probleme löst: Anstatt sich durch einen Dschungel an Kosmetikprodukten zu kämpfen und oder sich dem Wohlwollen der Kosmetikberaterin auszuliefern, gestattet uns diese Make-up-App einen kostenlosen Testlauf: Sieht die Farbe im Gesicht genauso aus wie auf der Packung? Hab ich einen Peach-Teint oder passt beige doch besser? Kann ich das gewagte Abendmakeup tragen oder sehe ich damit aus wie eine Version des Jokers mit Pigmentstörung? Wen dann noch Zweifel plagen, der schickt einen Screenshot an seine besten Freundinnen oder erstellt damit einen Post auf Facebook, um ein wirklich gnadenloses Urteil einzuholen.

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©Karim Rahman_vidilla.com

Express yourself!

Warum lieben wir diese App? Weil wir uns von L’Oréal verstanden fühlen – mithilfe der Genius Technologie finden wir genau das richtige Produkt für unsere Haut, unseren Stil. Für L’Oréal heißt das gleichzeitig mehr Nutzer, mehr zufriedene Kunden. Zudem ist die App einfach eine Fetzengaudi: Von der pompösen Christopher Street Day Aufmachung, über den 80s Wave Look bis hin zur extravaganten Kriegsbemalung – der Phantasie und Persönlichkeitsentfaltung sind keine Grenzen gesetzt. So ist die App selbstredend nicht nur für die Dame, sondern auch für den Herrn mit Freude an Gesichtsbemalung konzipiert – um Lady Gaga zu zitieren: Don’t be a drag just be a queen.

Man muss sie nur gießen

Die Pflanzenlampe

Seit vier Jahren steigt die Zahl der Einschreibung an der technischen Universität von Lima, UTEC. Dahinter stecken useful brand experiences, bei denen sie Grundversorgungsprobleme ihrer Landsleute kostenfrei löst. Ihr jüngster Coup im peruanischen Regenwald ist spektakulär.

Nuevo Saposoa ist ein abgelegenes Dorf im peruanischen Regenwald. Es liegt so abgelegen, dass man nach der Landung am Flughafen von Pucallpa noch zwei Tage einen Fluss hinunter schippern muss bis man – idealerweise von den Flusspiraten verschont – in Nuevo Saposoa landet. Wenn hier mal der Strom ausfällt, wie im März 2015 nach einer massiven Flut, bleibt nur noch die Kerosinlampe. Mütter füttern ihre Kinder im Licht des qualmenden Kerosin, Schüler quälen ihre Augen bei den Hausaufgaben.

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Nicht besonders gesund, aber nichts Neues für Nuevo Saposoa. 42% der ländlichen Bevölkerung im peruanischen Regenwald hat überhaupt keine Elektrizität. „Ohne Elektrizität leidet das Sozial-, Bildungs- oder Familienleben der Menschen enorm“, sagt Jessica Ruas Quartara. Die Marketing Direktorin der UTEC hat bei der UBX-Konferenz ein Werbeplakat vorgestellt, das täglich 96 Liter Trinkwasser kondensiert. Das neue Projekt mutet noch spektakulärer an.

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Das Problem als Teil der Lösung

Diesmal arbeitet ein neunköpfiges Forscherteam monatelang an der Frage: Wie kann man Nuevo Saposoa nachhaltig mit Licht versorgen? So schwierige Bedingungen der Regenwald schafft, ist er auch Teil der Lösung. Im August 2015 besteigen Prof. Elmer Ramirez und acht Studenten der UTEC ein Flussboot nach Nuevo Saposoa. Mit dabei haben sie zehn Holzkästen, aus denen jeweils eine Pflanze und eine LED-Lampe ragt.

Nimm das Vorhandene

„Wir können auf vielerlei Arten Energie aus der Erde gewinnen“, sagt Prof. Ramirez. Basierend auf Forschungsprinzipien von Wissenschaftlern aus aller Welt, gelingt es ihnen eine Reihe von Prototypen zu entwickeln, die durch saubere Energie leuchten. „Wir haben uns gefragt, was wir an lokal vorhandenen Ressourcen nutzen können und so sind wir zu einer Lösung gekommen: Sie lautet Pflanzen und Erde.“

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Geht das wirklich?

Die Lösung fußt auf der Galvanischen Zelle. Ein Prinzip, das viele Schüler aus dem Physik-Unterricht besser unter „Strom mit Kartoffeln fließen lassen“ kennen. Dabei bilden der Kartoffelsaft (Elektrolyt), Nägel und Münzen (Elektroden) eine Zelle, wo chemische in elektrische Energie umgewandelt wird. Eine moderne 1.5V Batterie ist nichts anderes als eine galvanische Zelle. Die Säure der Pflanze wirkt dabei wie ein „Treibstoff“, kann als Strom in herkömmlichen Batterien gespeichert werden und eben die LED Lampe der UTEC –Prototypen für etwa zwei Stunden speisen. Man muss sie nur gießen.

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Zwei Stunden mehr Leben

Als die Forscher in Nuevo Saposoa ankommen, zeigen sich die Bewohner skeptisch: „Pflanzen sollen uns Licht geben?“, fragt Dorfbewohner Tomás. Eine Woche gibt sich das Team der UTEC Zeit um die Bewohner einzuschulen und ihnen zu zeigen, wie sich potenzielle Probleme lösen lassen. Dann teilen sie zehn Prototypen der Pflanzenlampen auf die Familien auf und reisen ab. Sie sehen Schüler bei ihren Hausaufgaben, nähende Frauen, kartenspielende Männer, kurz beglückte Dorfbewohner, die nun auch nach Sonnenuntergang ihre Zeit nutzen können, ohne den Kerosinrauch einatmen zu müssen.

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„Wir sind uns sicher, dass die Lampen das Leben der Dorfbewohner deutlich verbessert haben“, sagt Jessica Ruas, „mit den Lampen können sie wieder länger Handel treiben und Produkte erstellen und verkaufen.“ Der nächste Schritt der Kampagne ist Geld zu sammeln um die nächsten 100 Prototypen produzieren zu können.

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Was die Kampagne sonst gebracht hat

„UTEC versucht nicht die Welt zu retten“, sagt Humberto Polar, CEO der betreuenden Werbeagentur FCB Mayo, „sondern Studenten für sich zu gewinnen.“ Seit Gründung der privaten Universität vor vier Jahren stieg die Zahl der Inskripienten deutlich. Im Jahr nach dem Trinkplakat um 28%. Dazu konnte UTEC Partnerschaften mit ein paar der wichtigsten Universitäten der USA schließen. Die Techniker der UTEC können nun Austauschsemester auf dem M.I.T. oder Harvard absolvieren. Ohne die UBX-Projekte der Universität wäre das nicht möglich.

 

Das Plakat als Einparkhilfe

Einparken wie ein Chef

Einparken ist ein massives Problem von gar nicht so wenigen Autofahrern. Fiat versucht mit einem animierten Abstandsanzeiger in Form eines Plakats zu helfen und wirbt damit geschickt für seinen Parkassistenten.

München, Freitagabend, auf dem Weg zum Tollwood – Parkplatzsuche. Stress, Panik, Hilfe! Diese Lücke vielleicht? Ach ne, zu klein. Oder da vorn? Hm, da steht der Hänger mit der Anhängerkupplung, das könnte ins Auge gehen. Hier vielleicht? Moment, langsam antesten… Manno! Muss der auch gleich drängeln und hupen! Zäfix.

Königsdisziplin Rückwärts Einparken

Kommt einem bekannt vor, oder? Die leidige Parkplatzsuche ist Alltag in den Großstädten dieser Welt. Und durch die zunehmende Leihwagenkultur mit Carsharing, Car2Go etc. fällt es vielen Fahrern schwer, ihr Fahrzeug im Angesicht der letzten freien Parklücke richtig einzuschätzen.

Fiat hat sich diesem Problem angenommen und ein Video Plakat dafür entwickelt! Wer darauf zufährt, bekommt den Abstand zu den anderen Fahrzeugen durch Models am digitalen Plakat angezeigt. Und zwar nicht nur durch ihre Armzeichen, sondern auch mit einer präzisen Abstandsanzeige.

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Leider ist diese grandios nützliche Einparkhilfe zu schön um wahr zu sein. Denn das Fiat Parking Billboard bleibt eine vorerst einmalige Out-of-Home-Werbeaktion der Kreativagentur Leo Burnett für Fiat. Mit dem Einparkassistenten zeigt die Automarke jedoch die Möglichkeiten der Außenwerbung auf. Ultraschallsensoren am Plakatrand messen den Abstand zu den parkenden Autos und zeigen ihn auf dem Plakat an. Nebenbei bewirbt Fiat mit der ausgefeilten Technik der Ultraschallsensoren die ausgefeilte Technik seiner serienmäßigen Einparkhilfe.

fiat_150508_parking-billboard_6So, dass man es haben möchte

Die im Auto eingebaute Einparkhilfe ist für die meisten Fahrer jedoch immer noch eine technische Spielerei, die gern für überflüssig gehalten wird. Die Kampagne ist daher insbesondere gelungen, da sie den Einparkassistenten so erleben lässt, dass man ihn danach selbst in seinem Auto haben möchte. Wenn man den Markenkern von Fiat bei leistbaren und praktikablen Familienautos italienischer Prägung verortet, zahlt die Aktion durchaus darauf ein. Denn praktisch ist der Einparkassistent, den es übrigens für fast alle Modelle des italienischen Autohauses gibt, auf jeden Fall.

 

Video on Demand

2014 knöpft Netflix US TV Sendern Reichweite im Wert von USD 5,9 Mrd ab

Die Netflix Nutzerschaft wächst. In den USA hat Netflix mittlerweile mehr Zuschauer als die meisten klassischen TV Sender. Ein Grund für das Wachstum dürfte in der werbebefreiten Fernsehnutzung liegen. Hat der Erfolg von Netflix Auswirkungen auf den Werbemarkt?

Am 15. April hat Netflix seine Zahlen für das erste Quartal 2015 veröffentlicht. Mit 42 Millionen Nutzern hat sich der Video-On-Demand Service innerhalb weniger Jahre zu einem der reichweitenstärksten „Fernsehsender“ der USA entwickelt.

Bekanntermaßen basiert das Geschäftsmodell von Netflix nicht darauf, Reichweite mit Hilfe von Werbung zu monetarisieren. Die Abonnenten zahlen eine monatliche Gebühr und schauen dann, soviel sie wollen. Derzeit sind das 92 Minuten oder 1,5 Episoden House of Cards – täglich.

Verglichen mit den 268 Minuten, die US Bürger täglich vorm klassischen Fernseher verbringen, scheint das eine überschaubare Größenordnung zu sein. Allerdings ging die TV Nutzung in den letzten Jahren zurück (- 8% in 2014). Netflix konnte im gleichen Zeitraum die Nutzungsdauer um 12% steigern.

Tägliche Nutzung in Minuten

Tägliche Nutzung in Minuten

Dass US-Fernsehsender 25% ihrer Sendezeit der Werbung widmen, dürfte zu dieser Entwicklung genauso beitragen, wie die Möglichkeit bei Netflix selbst zu entscheiden, wann man was wie lange schauen will.
Laut eMarketer verbringen US Bürger täglich 12,3 Stunden mit der Nutzung von Medien. Ein guter Teil davon besteht aus Parallel- oder Hintergrundnutzung. Es scheint aber unwahrscheinlich, dass eine Person gleichzeitig die Abendnachrichten und einen Film auf Netflix schaut. Man kann also davon ausgehen, dass Netflix Aufmerksamkeit und damit Reichweite von TV Sendern stiehlt.

Zusammengefasst: Netflix bekommt immer mehr Aufmerksamkeit. Immer mehr Nutzer schauen immer länger genau das, was sie wollen beim Video-On-Demand Anbieter.

Globale tägliche Netflix-Nutzung

Globale tägliche Netflix-Nutzung

Ob die US Networks diesen Effekt schon spüren, ist nicht bekannt. Allerdings lässt sich mit den vorliegenden Daten der potentielle Werbewert von Netflix und damit die theoretischen Umsatzeinbußen für die TV Sender bestimmen. Für die USA ergibt sich 2014 folgende Rechnung:

Werbewert Netflix

Werbewert Netflix

Zugrundeliegende Annahmen:

  • Netflix Abonnenten in den USA Q1/2015: 41,4 Millionen
  • Monatliche Netflix Nutzung pro Abonnent Q4/2014: 46 Stunden
  • Anteil der TV Werbung an US Sendezeit: 25%
  • Durchschnittlicher TKP 2014 für 30-Sekünder zur Primetime: 24,76 USD pro Haushalt
  • Durchschnittliche Mitglieder pro US Haushalt: 2,54
  • Annahme: Netflix Inhalte haben Primetime Qualiät
  • Annahme: Keine Parallelnutzung von Live TV und Netflix

Eine alternative Rechnung kann mit Hilfe der 123 Millionen US Haushalte angestellt werden. Pro Haushalt investieren US Werbetreibende jährlich USD 561,- in Fernsehwerbung. Geht man davon aus, dass pro Haushalt nur ein Account vorhanden ist, ergibt sich, dass 34% aller US Haushalte bereits Netflix Kunden sind. Geht man wieder davon aus, dass eine Parallelnutzung ausgeschlossen ist, gehört in diesen Haushalten nach den oben dargestellten Nutzungsdauern bereits 34% der „Bewegtbild-Aufmerksamkeit“ Netflix. Daraus ergibt sich für Netflix ein jährliches Werbepotential von USD 7,9 Mrd. Das entspräche 11% der US Investitionen in TV Werbung.

Nachdem das selbstbestimmte, unterbrechungsfreie Fernsehen ein zentraler Erfolgsfaktor von Netflix ist, ist nicht zu befürchten, dass Netflix dieses Werbepotential monetarisieren wird. Allerdings wird deutlich, dass Netflix schon heute für eine spürbare Veränderung in der Aufmerksamkeitslandschaft der USA sorgt. Auch Musikstreamingdienste wie Deezer und Spotify verfolgen ähnliche Geschäftsmodelle und dürften den werbefinanzierten Radios das Leben zunehmend schwerer machen.

Nach einer aktuellen Studie von Digital TV Research traut man Netflix im Jahr 2020 11,3 Millionen Abonnenten in Deutschland zu. Dann wäre Netflix auch in Deutschland der aufmerksamkeitsstärkste „Fernsehsender“.

Treiber dieser Entwicklung sind die Digital Natives, die 2020 den Kern der werberelevanten Zielgruppe ausmachen werden. Basierend auf den vorliegenden Daten ist bereits jetzt absehbar, dass diese Zielgruppe über Fernseh- und Radiowerbung immer schwerer erreichbar sein wird. Sie entziehen sich klassischen Werbeformen bewußsst und sind bereit, für das Vergnügen werbefreier Unterhaltung Geld auszugeben.

Nach den Zeitungsverlagen stehen die nächsten werbefinanzierten Geschäftsmodelle im Feuer. Dürfen wir uns schon auf eine werbungsfreie Medienlandschaft freuen? Und was machen wir Werber, wenn es keine Medien mehr gibt, in die wir unsere „Ideen“ insertieren können?

Quellen:
http://files.shareholder.com/downloads/NFLX/83267353x0x821407/db785b50-90fe-44da-9f5b-37dbf0dcd0e1/Q1_15_Earnings_Letter_final_tables.pdf
http://tdgresearch.com/tdg-netflix-streaming-volume-up-350-in-10-quarters/
http://de.statista.com/statistik/daten/studie/169080/umfrage/taegliche-nutzung-von-medien-in-den-usa-seit-2008/
http://de.statista.com/statistik/daten/studie/165834/umfrage/taegliche-nutzungsdauer-von-medien-in-deutschland/
http://time.com/96303/tv-commercials-increasing/
http://www.tvb.org/research-r/4718/4709
http://de.statista.com/statistik/daten/studie/183109/umfrage/mediasplit-im-werbemarkt-in-den-usa/

  • Die Netflix Nutzerbasis ist in den letzten 12 Monaten um 33% gewachsen
  • Seit 2011 hat sich die tägliche Netflix Nutzung auf 92 Minuten gesteigert (+62 %)
  • US Live TV verliert 2014 8% an Nutzungszeit
  • Für Werbetreibende wird es schwerer, ihre Zielgruppen über Live TV und Live Radio zu erreichen
#ubx2015 Speech

Werbung ist, wenn man nicht mehr lacht

Warum wir Markenkommunikation neu denken dürfen.

Werbung nervt. Für mich als Teil der Kommunikationsbranche, ein frustrierender Befund. Schließlich werden in Deutschland mehr als € 30 Mrd. jährlich in Werbung investiert. Und nicht nur das: Tausende Kreative arbeiten leidenschaftlich an Formaten, die ihre Empfänger dann nerven. Als ich in dieser Branche angefangen habe, hat man sich im Kino verabredet um die Cannes Rolle zu sehen. Heute unvorstellbar. Wie konnte das passieren?

Um das besser zu verstehen, schien mir ein Blick in Briefings lohnenswert. Und tatsächlich: In den Briefings finden sich in vielen Variationen die immer gleichen Fragestellungen und Vorgaben. Die zentrale Fragestellung in fast allen Briefings ist:

Wie schaffen wir es, dass Zielgruppe X uns kennt und begehrenswert findet?

Das ist sehr gut nachvollziehbar. Es steht außer Frage, dass Bekanntes und Beliebtes sich besser verkauft, als Unbekanntes und Unbeliebtes. Wenn man tiefer in die Briefings einsteigt, finden sich immer wieder fünf, als Vorgaben getarnte Glaubenssätze:

  1. Formale Konsistenz

    Nur wenn wir auf den ersten Blick wiedererkennbar sind, wird uns die Zielgruppe zuhören. Deswegen müssen Logo, Farben und Schriften, wie vordefiniert immer zum Einsatz kommen.

  2. Tonale Konsistenz

    Nur wenn unsere Marke mit der immer gleichen Tonalität spricht, wird unsere Marke so wahrgenommen, wie wir es gerne hätten. Deswegen müssen unsere Brand Values, Brand Proposition, Brand Personality, … in der Kommunikation immer präsent sein.

  3. Emotionalität

    Wenn wir die Zielgruppe emotional berühren, fällt es ihr leichter, sich an uns zu erinnern. Deswegen produzieren wir gerne Werbung mit Humor.

  4. Penetration

    Erst wenn wir der Zielgruppe unser Anliegen mit hoher Regelmäßigkeit vortragen, erinnert sie sich an uns. Deswegen schalten wir Werbung, immer wieder.

  5. 360 Grad

    Wenn wir unsere Zielgruppe an allen Touchpoints erreichen, erinnert sie sich schneller an uns. Deswegen schalten wir unsere Botschaften auf allen Kanälen gleichzeitig.

Auch das ist total plausibel und durch Werbeforschung solide hinterlegt. Diese Glaubenssätze geben uns Sicherheit im Handeln und haben sich als Standard etabliert.

Täglich von 3.ooo Werbebotschaften bombardiert

Zum Problem wird das erst, wenn man einen Schritt zurücktritt. Denn es gibt ja nicht nur eine Marke in Deutschland, die ihr Kommunikationsverhalten an diesen Glaubenssätzen orientiert, sondern tausende. In der Folge wird jeder Deutsche mit 3.ooo Werbebotschaften täglich bombardiert. Einem Stalker gleich lauern die immer gleichen Werbebotschaften (vgl. Konsistenz) ihren Empfängern bei jeder Gelegenheit auf: Im Kino, im Fernsehen, in Zeitschriften, auf der Straße, im Internet (vgl. 360 Grad). Ungefragt und unerwünscht. Langweilig und nervtötend.

Warum sich die relevante Zielgruppe entzieht

Von dem was nervt, wendet man sich ab. Diese Bewegung lässt sich am Wachstum von Netflix, Spotify oder der Verbreitung von Adblockern auch empirisch nachweisen. Über 40% der Generation Y in Deutschland hat einen AdBlocker installiert. Der Kern der zukünftigen werberelevanten Zielgruppe entzieht sich den Werbebotschaften. Weil sie tendenziell konsumkritischer sind und weil sie es können. Sie sind mit dem Internet aufgewachsen und wissen, wie man einen Browser konfiguriert, damit er keine Werbung mehr anzeigt. Sie können ein Netflix-Abo abschließen und haben keine Berührungsängste Spotify auszuprobieren.

Das Smartphone als GPS – General Problem Solver

Es besteht die Gefahr, dass Marken den medialen Kontakt mit der Generation Y verlieren. In dem Maße, wie sich die Generation Y von Werbung und werbefinanzierten Medien abwendet, wendet sie sich ihrem Smartphone zu. Über 90% der 19 bis 29-jährigen Deutschen haben ein Smartphone. Sie schauen durchschnittlich alle sieben Minuten auf ihr Gerät und verbringen täglich mehr als drei (!) Stunden am Smartphone.

Dabei nutzen sie das Smartphone nicht nur zum Informieren und Kommunizieren. Sie haben gelernt, dass es für viele Alltagsprobleme eine digitale Antwort gibt. Und dass, das Smartphone diese Antworten bereit hält. There is an app for that – oder genutzt wird, was nützt. Wenn wir den medialen Kontakt zwischen Marken und Konsumenten stabilisieren wollen, scheint es vielversprechend unsere Aufmerksamkeit dem zu wenden, das den Zielgruppen nützen kann. Damit das gelingt, braucht es einen Perspektivwechsel auf drei Ebenen:

Vom Senden zum Einfühlen

Das bisherige Handeln der Markenkommunikation bestand allein aus senden: Wenn wir es uns leisten können, auf allen Kanälen, rund um die Uhr. Wenn wir nun stattdessen mit unseren Zielgruppen in persönlichen Dialog treten, ihnen zuhören, werden wir große und kleine Alltagsprobleme entdecken.

Vom Verführen zum Unterstützen

Gute Marken schaffen es, dass wir mehr Geld als nötig für ein Produkt ausgeben. Gute Werbung verführt uns etwas zu kaufen, was wir vielleicht gar nicht brauchen. Das gelingt, wenn uns unsere Zielgruppen begehren. Wenn wir nun stattdessen beginnen Alltagsprobleme unserer Zielgruppen zu lösen, werden sie – falls gut gemacht – diese Lösungen regelmäßig nutzen und das auch weitererzählen. Werbung nervt nicht mehr, sondern macht das Leben leichter. Und wenn die Lösung etwas mit unserer Marke zu tun hat, dann hat auch die Marke etwas davon.

 Vom Optimieren zum Innovieren

Die immer bessere Messbarkeit der Werbeaktivitäten hat dazu geführt, dass wir die Sende-Verführungs-Mechanik kontinuierlich optimieren. Wir stellen dadurch sicher, dass unsere Werbung die Richtigen erreicht und so wirkt, wie wir uns das vorstellen. Unsere Angst vor Streuverlusten ist so groß, dass wir Google und Facebook in nur wenigen Jahren zu den wertvollsten Unternehmen der Welt gemacht haben. Wenn man so will war der Optimierungsdruck die Basis für die Vermögensbildung von Zuckerberg und Page. Das sei den Herren gegönnt. Sie haben sicher Spaß beim Ausgeben. Allerdings vermisse ich im Hamsterrad der Optimierung zunehmend den Spaß in unserer Branche. Wollen wir wirklich unsere kreative Kraft darauf verwenden, die Klick-Through-Rate einer Google Anzeige von 0,5 auf 0,52 zu erhöhen?

Warum nutzen wir nicht das gesamte Spielfeld, das uns die Digitalisierung bietet, um Lösungen zu schaffen, die unseren Zielgruppen und unserer Marke helfen. Hier sollten wir uns wieder trauen, eigene Innovationen zu schaffen und Dinge auszuprobieren. Eine mittelkomplexe App kostet heute weniger als eine Spiegel-Anzeige. Wir werden nur zu einem gewissen Grad im Vorfeld wissen, ob die App, die Website oder der Service angenommen wird. Deswegen sollten wir uns trauen, wie ein Inkubator zehn Ideen auf den Markt zu werfen. Die eine, die bei der Zielgruppe räsoniert, entwickeln wir weiter.

Was können wir als Marke unseren Zielgruppen Gutes tun?

In den USA werden pro Haushalt und Jahr über USD 500 für Fernsehwerbung ausgegeben. In Deutschland fließen jährlich € 30 Mrd. in die Sende-Verführungs-Optimierungs-Maschine. Ich träume davon, dass unsere Branche ihre analytischen und kreativen Fähigkeiten auch der Frage zuwendet: Was können wir als Marke unseren Zielgruppen Gutes tun? Werden nur drei Prozent der deutschen Werbebudgets der Erforschung dieser Frage gewidmet, steht jährlich eine Mrd. Euro zur Verfügung. Eine Mrd. Euro, die helfen kann den Alltag unserer Mitmenschen leichter zu gestalten und unsere Marken mit ihren Zielgruppen in Kontakt zu halten. Weil Werbung dann nicht mehr nervt, sondern hilft. Die Digitalisierung hat uns diese Möglichkeit eröffnet, wir sollten sie nutzen.

Umgelegte Schalter gegen Straftaten

Leuchtendes Beispiel

Wie ein Leuchtmittel-Hersteller mit seiner Kernkompetenz in zehn indischen Städten gegen Kriminalität kämpft.

Stellen Sie sich vor, Sie fahren abends nach Hause und in Ihrer Straße ist es stockfinster. Auch in den benachbarten Straßen Ihres Viertel ist es dunkel, weil es entweder keine Straßenbeleuchtung gibt oder sie nicht funktioniert. Was die meisten Europäer zutiefst beunruhigen würde, ist Alltag in großen Teilen von Delhi – und Nährboden zahlreicher Kriminalfälle von Raub, Diebstahl, Auto Entführungen bis zu Vergewaltigungen. Laut der lokalen Polizei werden in Indien täglich fünf Frauen vergewaltigt.

 

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Wie bekämpft man ein komplexes Problem?

Trotz der Verschärfung von Strafgesetzen durch die Regierung und verstärkten Polizeimaßnahmen bleiben 70% der Fälle ungeklärt. Dieser traurige Umstand rief auch viele Unternehmen und private Initiativen auf den Plan um mit mobilen Apps oder Notfalls-Hotlines dagegen zu kämpfen. Der indisch-japanische Leuchtmittelhersteller Halonix sieht sich den wissenschaftlich gut dokumentierten Zusammenhang, zwischen Dunkelheit und Kriminalität näher an und bringt mit seiner Kernkompetenz Licht ins Dunkel. 2014 startet Halonix eine Facebook Umfrage. Bürger von Dehli sollten Straßen nominieren, die bessere Beleuchtung benötigten. Neharika Awai Minocha sandte dieses Foto ein.

 

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Von der Umfrage zur Kampagne

Der Social Media Umfrage lässt Halonix eine Werbekampagne folgen, deren Plakate die Straßen der meistgenannten Plätzen beleuchten. Und zwar nicht nur in Dehli. Nach konstant gutem Feedback erweitert Halonix die Kampagne auf aktuell zehn Städte, von Mohali, Jalandhar, Kanpur, Mathura, Allahbad, Lucknow, Patna, Trivandrum bis Chennai. Wieder übernimmt ein privates Unternehmen die Aufgaben von überforderten Stadtverwaltungen. „Wir sehen uns als eine Marke, die sich verpflichtet fühlt, nicht nur davon zu sprechen sondern auch tatsächlich nachhaltige Arbeit zu leisten“, sagt Rakesh Zutshi, Managing Director von Halonix und bestätigt, die Kampagne auf noch zehn weitere Großstädte Indiens ausdehnen zu wollen.

 

 

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Kleiner Schritt in die richtige Richtung

Nach der Kampagne steigt die Markenbekanntheit von Halonix in Indien immens, von 20% auf 70%. Dazu kommen über 100.000 Facebook Engagements während der mehrmonatigen Kampagne, die insgesamt 6 Millionen Inder erreichen. Angesichts der 1,2 Milliarden Bewohner des Landes, wirkt das nach keinem durchschlagenden Erfolg. Die Finalplatzierung des Projekts „Safer City“ bei den Cannes Lions 2014 unterstreicht aber die Kraft der Idee. Zahlen zu einer veränderten Vergewaltigungs- oder Kriminalitätsrate an den beleuchteten Plätzen gibt es aktuell nicht. Ein besseres Gefühl auf die Straße zu gehen, geben die Leuchtplakate vermutlich schon.

 

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  • Die fehlende Straßenbeleuchtung in indischen Städten ist ein Nährboden zahlreicher Kriminalfälle von Raub, Diebstahl bis zu Vergewaltigungen.
  • Der indisch-japanische Leuchtmittelhersteller Halonix nahm sich diesen Umstand zum Anlass, um mit einer Kampagne in Form von Leuchtplakaten das Problem zu bekämpfen.
  • Nach gutem Feedback der Bevölkerung erweitert Halonix die Kampagne auf zehn Städte von Dehli, Mohali, Jalandhar, Kanpur, Mathura, Allahbad, Lucknow, Patna, Trivandrum bis Chennai und plant eine Erweiterung auf zehn weitere indischen Städte.
  • Im Zuge der Kampagne steigt die Markenbekanntheit von Halonix in Indien von 20% auf 70%.